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Aus der #18 und sicher nicht mehr ganz taufrisch, doch sicher immer noch besser, als wenn oire szene und Co. versuchen, den Kult zu erklären. Sicher stellt der Text nur eine subjektive Sicht dar und es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit.

1969 – 20.., über 40 Jahre Skinhead(sub)kultur

Wir erzählen sicher nichts Neues, wenn wir jetzt sagen, daß der Begriff Skinhead aus dem Englischen kommt und in etwa mit „Hautkopf“ zu übersetzen ist. Dies soll aber nicht heißen, daß nun jeder Skinhead mit Spiegelglatze rumrennen muß, eher sollte das bedeuten, daß die Haarlänge immer so kurz war bzw. ist, daß die Kopfhaut durch die Haare scheint. Der Unkult der Spiegelglatze kam erst mit Einzug der Punkbewegung auf, die dem Kult viel von der einstigen Smartness nahm.

Dem Skinheadkult nun ein festes Geburtsjahr zu geben, dürfte schwer sein, da sich der Stil erst nach und nach aus anderen Subkulturen herauskristallisierte. Wird der Ursprung der Skinheads meist mit 1969 festgemacht, so erschienen doch bereits im England der frühen 60er Jugendliche im Outfit der Skinheads. Somit entstand im Jahrzehnt der 60er nach und nach der Skinheadkult und hat mit dem Jahr 1969 das eigentliche Geburtsjahr. Wie es nun aber mit Neugeborenen, Kindern, Jugendlichen, Heranwachsenden und Erwachsenen ist, so entwickelt man sich stets weiter und auch der Kult der Skinheads war eine stete Weiterentwicklung. In den nunmehr 40 Jahren entstanden verschiedenste Strömungen innerhalb des Kultes. Aber diese Vielfalt hat auch Nachteile und so spaltete sich mit zunehmender Vielfalt die Szene immer weiter.

Einige Weltverbesserer wollen anderen ja immer einreden, daß die Skinheads im Ursprung schwarze Jugendliche waren, dies stimmt so nicht! Die Skinheadbewegung entstand durch ein Zusammengehen aus Teilen der Modbewegung, den sog. Hardmods (also der weißen Arbeiterschicht), Fußballfans, den sog. Bootboys und den Einwanderergangs der westindischen Inseln, den Rudeboys. Dieses Trio der Jugendkulturen wurde Ende der 60er zu der wohl verrufensten Subkultur überhaupt, die Skinheads waren da. Gemeinsam war ihnen die Zugehörigkeit zur Unterschicht, der Arbeiterklasse, und die Liebe zu schwarzer Musik, nämlich Ska und Early Reggae, der später auch unter dem Begriff „Skinhead Reggae“ bekannt wurde. Aber auch, der schon von den Mods geliebte, Northern Soul war beliebte Musik dieser neuen Kultur. Also weder schwarz noch weiß, sondern beides. Und wenn jetzt jemand mit Haarspalterei anfangen will, dann komme ich mit höherer Mathematik und sage, daß die weiße Arbeiterschicht an dieser Kultur durchaus eine 2/3-Mehrheit hat, aber lassen wir den Scheiß.

Da durch die, von Mods veranstalteten, Krawalle sich die Medien verstärkt auf diese Subkultur einschossen, fanden auch andere Jugendliche das Interesse an dieser Szene. Allerdings interessierte sie nicht in erster Linie der Kleidungsstil, sondern eher die dem Kult zugeschriebene Aggressivität. Weil für eine Straßenschlacht teure Schuhe und Anzüge aber eher unpassend waren, wechselte das Outfit tagsüber eher zu schlichteren Kleidungsstücken wie Boots und Jeans, diese dann aber in Kombination mit Buttondownhemden. Abends war dann wieder der smarte Anzug zum Ausgehen gefragt. Aber auch die Haare wurden nun immer kürzer. So entstand aus den Hardmods nach und nach der Skinhead. Auch genossen die Hardmods lieber einen Pint Bier als irgendwelche Tabletten oder andere Drogen. Darüber hinaus konnte man die meisten Hardmods eher der Arbeiterklasse denn der Mittelschicht zurechnen. (Da wir hier im Heft auf die Mods schon detailliert eingehen, führe ich hier nichts groß weiter aus, blättert einfach etwas vor, oder zurück und lest dort Einzelheiten nach.)

Der andere Part zur Entstehung der Skinheads ist die Kultur der Rude Boys. Diese Subkultur entstand während der Industrialisierung im Jamaika der 60er. Viele Landarbeiter waren zu der Zeit gezwungen als Arbeiter in Metropolen wie Kingston anzuheuern. Aber nicht jeder profitierte vom Aufschwung der Wirtschaft und es entstand ein Heer von Arbeitslosen. Dadurch stieg natürlich auch die Kriminalitätsrate. Viele versuchten durch Geschäfte am Rande der Legalität, kriminelle Handlungen usw. ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Eine kriminelle Nebenkultur entstand. In England wurde der Stil der Gangs dann weitergelebt bzw. von den jungen Einwanderern übernommen. Der Begriff „rude“ selbst steht in etwa für „rauh“, „grob“, „ungebildet“, „unhöflich“ oder „primitiv“. Zu der Kriminalität kam noch übersteigerte Gewalttätigkeit, die oft in Straßenkämpfen ausgelebt wurde. Aber auch ein überhebliches Selbstbewußtsein zeichnete die ursprünglichen Rudeboys aus. Man orientierte sich noch stark an der Burgeoise. Getragen wurden zumeist weiße Hemden, ein schwarzer schmaler Schlips, teure Halbschuhe und der sog. Pork Pie. Hiermit versuchte man sich der westlichen Mode anzupassen. Was den Musikgeschmack betraf, so war man da eher konservativ anstatt modern und hörte mit Vorliebe Ska und Reggae, der ja noch immer in den Anfangsschuhen steckte.

Als also die armutsbedingte Einwanderung nach Großbritannien begann, wurde auch der Stil der Rude Boys mit nach England gebracht. Hier wollten sich die Rudies mit ihren Musikgeschmack von anderen abgrenzen. Allerdings wurden die Einwander der ehemaligen Kolonien nicht gerade wohlwollend empfangen und schon gar nicht integriert. Sie wurden ausgegrenzt und so entstanden nicht nur Ghettos, sondern auch eine Nebenkultur. Die Viertel waren geprägt durch Armut und daraus entstand logischerweise Kriminalität und Gewalt. So konnte aber auch in England eine Subkultur, mit eigenen Clubs und Kneipen, der Rude Boys entstehen. Hier herrschten natürlich die Einflüsse aus der ehemaligen Heimat vor und davon fühlten sich alsbald auch britische Jugendliche angezogen. Gerade die Mods fühlten sich durch die Kultur der Rude Boys angezogen und waren häufig Gäste in den Clubs und Kneipen der Jamaikaner. Hier entdeckten sie ihre Liebe zu Ska und Reggae und konnten hier meist zuerst die neuesten Platten der beiden Genres hören. Aber auch in Sachen Kleidung ähnelten sich die Szenen der Rudies und die der Mods, da beide Kulturen Wert auf stilvolle Kleidung legten. Von den jungen Einwanderern wurde die Mittelschicht und das spießige Bürgertum nicht nur aus o.g. Gründen weitestgehend abgelehnt.

Neben den Mods und den Rude Boys gehörten auch noch die Bootboys zur Entstehung der Skinheads. Den Namen erhielten die Kids durch die von ihnen getragenen Stiefel, die nicht selten als Offensivwaffe gegen andere im Straßenkampf, oder im Stadion eingesetzt wurden. Die Bootboys können aber auch als Väter der Hooliganbewegung gesehen werden, wenn auch der heutige Hool nicht mehr viel mit den Bootboys gemein hat. So ziemlich jeder größere Verein im Königreich hatte damals eigene Bootboy Crews. Bevorzugte Kleidung waren neben Stiefeln und Jeans, Hemden oder Polohemden. Mode und auch Musik spielte bei den Stiefeljungs allerdings keine all zu große Rolle. Von der Gewalt in den Stadien und drumherum wurden irgendwann  auch die Hardmods angezogen. Man wendete sich mehr und mehr vom Kleidungsstil der traditionellen Mods ab und übernahm lieber das Outfit der Fußballrabauken, da das für den Streetfight praktischer war.

So vermischten sich in den 60ern die Stile immer mehr, bis am Ende der Skinhead geboren war. Die Verwandlung vom Hardmod oder Bootboy machten in den Jahren 1968 und 1969 hunderte Jugendliche durch und nach und nach gab es in England eine richtige Schwemme dieser neuen Subkultur. Obwohl es fast unglaublich klingt, bezifferten einige Quellen die Anzahl von Skinheads zum Ende der 60er in Großbritannien mit rund 10.000. Auch wenn mit 1969 das Jahr der Skinheadentstehung fest verwurzelt ist, so tauchten bereits ein Jahr zuvor etwa 200 kurzhaarige Gesellen in der Öffentlichkeit auf und riefen auf einer Soli-Demo für Vietnam „Enoch, Enoch“. Damit meinten sie den rechtsgerichteten Politiker Enoch Powell. Dies wiederum zeigt, daß nicht per se jeder Skinhead der ersten Stunde links war, gelle ihr Gutmenschen!!!  Daß Rassismus schon immer ein brisantes Thema innerhalb der Szene war, zeigt auch der Song „Run Powell run“, der sich mit eben genannten Politiker befaßte und 1968 von Laurel Aitken herauskam.

Das bürgerliche England mußte diese neue Subkultur ernst nehmen und um diese irgendwie zusammenfassend nennen zu können, bekamen die Skins der ersten Stunde Namen wie „Spy Kids“, „Peanuts“, „Boiled Eggs“, „Lemonheads“ u.ä. Im Sommer '69 setzte sich dann die Betitelung „Skinhead“ durch.

Gewalt war schon immer Bestandteil der Szene, was nicht heißt, daß jeder Skinhead ein Gewalttäter ist, oder diese verherrlicht. Aus losen Gruppen wurden nun schnell feste Gangs mit fest abgesteckten Revieren. Ein Eindringen anderer Gangs ins eigene Revier wurde mit allen Mitteln und meist mit Gewalt verhindert. Gemeinsamer Feind aller Crews waren sog. Pakis und der Haß auf diese Gruppe von Einwanderern zeigte sich oft im „Paki Bashing“. An diesen Schlägereien beteiligten sich auch schwarze Skinheads. Weitere Feindgruppen waren die Hippies, die Gesellschaft und das Bürgertum allgemein. Aber auch Rocker, Teds und Homosexuelle wurden oft als Angriffsziel auserkoren. Niederlagen wurden meist nicht als solche gesehen und waren nur Ansporn den nächsten Gegner zu besiegen. Aber auch die zunehmende thematische Wandlung des Reggae brachte Rivalitäten in die, einst geeinten, Gruppen der schwarzen Rudeboys und weißen Skinheads. Aufgrund dieser Gewaltexplosion verließen viele die Skinheadszene und in Stadien kam man als Skinhead nun auch nicht mehr so einfach rein. Der Ruf war da und sollte im Laufe der Jahrzehnte immer wieder negativ unter Beweis gestellt werden.

Die Geschichte des Kultes ist wohl voller Vorurteile und auch Widersprüche. So stimmt weder, daß jeder Skinhead der ersten Stunde von Haus aus ein Freund der Einwanderer war, noch daß jeder Skinhead ein Rassist sein muß. Fakt ist, daß die Szene immer schon eine sehr patriotische und stolze war und in großen Teilen immer noch ist. Was ist falsch daran, sein Land zu lieben?!? Patriotismus beinhaltet ja keine Verachtung gegenüber anderen! Bereits in den Anfangsjahren war die Szene sehr facettenreich und so gab es damals neben Skinheads, die nichts gegen Einwanderer hatten auch die, die eben nicht dafür waren. Früher wurde das politische Denken allerdings mehr aus der Szene heraus gehalten. Eine so große Szene, wie die unsere, wird man durch politische Einstellungen einzelner wohl nie unter einen Hut bekommen, genauso wenig wie die verschiedenen Meinungen der ganzen Arbeiterschicht in eine Richtung gehen... Skinheads sind nunmal auch ein Teil der Gesamtbevölkerung und da gibt es Linke und Rechte; Gewerkschafter und Gewerkschaftsgegner; Politische und Unpolitische; Grüne, Rote, Braune; Fußballfans und Totalverweigerer des Ballsports; Ärsche und gute Kumpels...

Da der einst von Skinheads vereinnahmte Reggae immer politischer, religiöser und auf schwarze Probleme ausgerichtet wurde, wandten sich immer mehr Skinheads von dieser Musikrichtung ab. Der Arbeiterjugendliche hatte nunmal wenig mit diesen Themen zu tun und man suchte nach einem anderen Stil, der eher zu den weißen Kids paßte. So mußten hier übergangsweise erstmal der Glamrock oder Rockmusik im Allgemeinen herhalten. Später erstarkte der Ska und Skinhead Reggae wieder; und als Ableger von Punk, welcher immer linker wurde und mehr und mehr Richtung Kommerz hetzte, entstand der Streetpunk und Oi!. Punk war nunmal ein „Great Rock'n'Roll Swindle“ und es war klar, daß die rebellische Jugend etwas Echtes suchte. Durch den authentischen Streetpunk und Oi! hatte die Szene nun auch Bands und Musiker, die aus der gleichen Szene kamen und von bzw. über dieselben Probleme sangen, die die jungen Skinheads beschäftigten. Auf das Thema Musik kommen wir später noch mal ausführlicher.

Aber wie bringt man Außenstehenden den Begriff „Oi!“ näher?!? „Oi! ist Rock'n'Roll, Bier, Sex, auf Konzerte gehen, zurückzuschlagen, Spaß haben. Es ist unser Leben, unsere Show, unsere Welt, es ist eine Art zu Leben.“ so der Oi!-Poet Garry Johnson. Diese Aussage dürfte eigentlich alles enthalten. Woher aber kommt der Begriff „Oi!“??? Das wahrscheinlichste und naheliegendste ist, daß die Rejects beim Anzählen ihrer Lieder anstatt des „1, 2, 3“ einfach „Oi!, Oi!, Oi!“ riefen. Bei Konzerten und im Stadion setzte sich dieser Ausruf schnell als Schlachtruf durch. Auch möglich, daß das „Oi!“ dem Cockney-Slang entsprang, wo Worte wie „nice“ oder „hi“ schnell nach „noice“ oder eben „hoi“ klangen.

Nun aber zu den einzelnen Stilen der Skinheadmusik. Auch hier muß vorweg gesagt werden, daß nur die wichtigsten Richtungen erwähnt werden, da Sachen wie „Straight Edge Hardcore“ oder „christliche Punk- und Oi!“-Musik nur Unterordnungen einzelner Stile sind und auch nicht die Masse ansprechen. Anders hingegen sieht es mit RAC aus, da dieser seit langem fester Bestandteil der Szene ist. Und um es auf einen Nenner zu bringen, muß man sagen: RAC wird von vielen gehaßt, von vielen geliebt und von fast allen gehört...;-) Oder wie erklärt man sich, daß selbst extrem linke Skins auch die politischen Lieder von Skrewdriver kennen?!? Mehr wollen wir darauf nicht eingehen. White Power Musik, Rechtsrock oder Hatecore werden weggelassen, da es nur radikale Abwandlungen bestehender Stile sind und auch nur noch teilweise etwas mit der Skinheadszene zu tun haben. Ob diese nun eine Daseinsberechtigung haben oder nicht, liegt im Auge des Betrachters.

Die erste Musik, die überwiegend von Skins gehört wurde, war ohne Wenn und Aber der frühe Ska.  Der Ska hat seinen Ursprung Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre auf Jamaika. Hieraus sollten sich später der Rocksteady und Reggae entwickeln. Entstanden ist Ska aus Rythm and Blues sowie dem Mento, man könnte es die frühe Popmusik der Jamaikaner nennen. Der daraus entstandene Ska wurde schnell so etwas wie jamaikanische Volksmusik. Die bekanntesten Hörer allerdings waren die Rudeboys und diese waren oft kriminell und gehörten Straßenbanden an, was dem einen faden Beigeschmack gab. In England hingegen waren die Rudeboys mit an der Entstehung der Skinheads beteiligt. Und so wurde der Ska zur Skinheadmusik der ersten Stunde. Das bekannteste, auch Außenstehenden geläufige, Skalied ist wohl das „My Boy Lollipop“ von Millie Small. Bekannte Musiker dieser als ersten Skawelle bezeichneten Ära sind und waren Symarip (eigentlich The Pyramids), The Skatalites, Prince Buster, Derrik Morgan, Desmond Dekker und natürlich Laurel Aitken. Aber auch Rastafari Bob Marley hat seine Wurzeln im Ska.

Die zweite Welle war der 2 Tone und entstand Ende der 70er Jahre in England. Den Namen bekam diese Ära durch den Keyboarder der Specials, Jerry Dammers, der das Label „2 Tone Records“ gründete. Durch diese Etappe wurde dann auch der Pork Pie als Kopfbedeckung berühmt, wozu ein schwarzer Anzug getragen wurde. Das traditionell für Ska stehende schwarz-weiß Muster war Zeichen des „2 Tone“-Labels und ist bis heute mit Ska fest verwurzelt. Hier flossen dann auch schon mehr oder minder Punk und New Wave mit in die Musik ein, aber orientiert wurde sich immer noch am jamaikanischen Ska. Die Fans kamen hier jetzt hauptsächlich aus der Arbeiterklasse und das wiederum waren Rudeboys und Skinheads, aber auch Mods und Suedehads konnten sich dieser Musik nicht versagen. Da die Mods aber eher zur Mittelschicht gehörten und die Skinheads aus der Arbeiterschicht stammten, kam es bei Veranstaltungen öfter zu Auseinandersetzungen. Damit war die zweite Skawelle auch zum Scheitern verurteilt. Wichtige Bands dieser Zeitspanne sind The Specials, The Selecter, The Beat, Bad Manners und natürlich Madness, die später als Mainstreamband weltberühmt wurden.

Die dritte Phase des Ska wollte dann wieder zurück zu den Wurzeln, was sich in der Einfachheit der Mittel dieser Bands zeigte. Stark beeinflußt wurden diese Gruppen allerdings durch Bands der zweiten Ska-Generation. Jetzt konnten sich auch deutsche Bands dieser Musik nicht mehr verweigern und es entstanden Bands wie No Sports, Blechreiz, Skaos, El Bosso & Die Pingpongs und andere.   

Später entstand aus dem Ska der Rocksteady. Wie um alles, ranken sich zur Entstehung auch hier tolle Geschichten. Eine besagt, daß der Sommer 1967 auf Jamaika so heiß war, daß es unmöglich war, zum Ska zu tanzen und so wurde das Tempo einfach verlangsamt und den Temperaturen angepaßt. Dadurch konnte das Publikum tanzen, ohne zu sehr in Schweiß zu kommen. Entstanden war, der Legende nach, der Rocksteady. Aber auch die aufkeimende Gewalt während Veranstaltungen kommt für die Entstehung des Rocksteadys infrage. Durch ruhigere Musik sollten die Gemüter der Rudeboys besänftigt werden. Die Wahrheit dürfte wohl irgendwo dazwischen liegen. Beim Rocksteady wurden mehrere Sänger eingesetzt, oft waren es Gesangstrios und man orientierte sich am Soul. Im Gegensatz zum Ska traten die Bläser nun eher in den Hintergrund und begleiteten die Musik und waren nicht mehr führende Instrumente. Skamusiker der ersten Stunde spielten aber auch hier eine große Rolle. Die Musik klang nun geschliffener und nicht mehr so rauh. Hauptsächlich waren es Liebeslieder, die zu dieser Musikrichtung zählten, doch vereinzelt kamen schon Protestsongs vor. Auch kamen die ersten Songs mit Rastathemen ans Licht. Viel wurde auch über die Rudeboys gesungen, wie die Straßenbanden Jamaikas auch genannt wurden. Diese kämpften um die Vorherrschaft in ihren Vierteln und die Bewohner der Armenviertel wurden durch sie bedroht. Viele Lieder richteten sich gegen diese kriminellen Akte und gegen die ausgeübte Gewalt. So spielte in einem Prince Buster Song z.B. der imaginäre Richter „Judge Dread“ eine Rolle. Aber es gab auch Bands, die Verständnis für die Rudeboys hatten und machten herrschende Verhältnisse für das Verhalten der Rudeboys verantwortlich. The Pioneers sangen zum Beispiel „Rudies are the greatest!“. Es gab aber auch Musiker, die Lieder für und gegen Rudies im Reportoire hatten und diese je nach Stimmung bei Konzerten einsetzten. Und so waren Namen wie Derrik Morgan, Duke Reid, Desmond Dekker und Prince Buster wieder ganz vorn mit dabei, aber es kamen auch neue mit hinzu. Hier sind es Ken Boothe, The Ethiopians oder Alton Ellis.

Zuerst als Unterart, entstand so auch der Early Reggae, oder Skinhead Reggae, welcher später eine eigenständige Richtung wurde. Der Reggae war wieder etwas schneller als der Rocksteady und der eigentliche Reggae war auch nicht so überladen, daß er wie heutige Reggaesachen aus dem Radio klingt. Auch war es zu Beginn des Reggae eher üblich, daß Produzenten oder beauftragte Schreiber die Texte abfaßten, die dann für wenig Geld von Sängern, die meist aus den Armenvierteln oder den Straßen Jamaikas kamen, eingesungen wurden. Die Bands bestanden fast immer aus Studiomusikern und nur nach und nach entwickelte sich eine eigenständige Musikerszene. Die Namen wurden je nach Label und Laune geändert oder angepaßt. Bei den Musikern blieb kaum etwas vom eingespielten Geld hängen und der Löwenanteil blieb bei den Labels und Produzenten. Textlich ging es auch hier hauptsächlich um Liebe. Mit der Zeit spaltete sich dann das Gros der Szene ab und es ging immer mehr um religiöse Themen, um die Unterdrückung der Schwarzen und Dinge der Rastaszene, aber auch offener Sexismus wurde verarbeitet und das nicht gerade zur Freude der Medien. Durch die große Nachfrage auf der Insel nach Early Reggae entstand u.a. das „Trojan“-Label mit zahlreichen Unter- und Sublabels. „Pama“ ist ein ebenfalls bekanntes Label dieses Genres. Anfangs wurde nur jamaikanische Musik veröffentlicht, doch aufgrund des großen Runs auf diese Musik wurden eigens Musiker wie Desmond Dekker, Derrik Morgan oder Laurel Aitken nach England geholt. Für einstige Soulbands wurden Reggaestücke geschrieben, damit diese für die Labels weiter ein Goldesel waren. Mit Judge Dread betrat dann auch der erste weiße Reggaestar die Bühne der Öffentlichkeit und ist bis heute trotz seines viel zu frühen Todes einer der beliebtesten Reggaemusiker bei den Skinheads. Es entstanden Lieder oder ganze Platten, die einzig und allein für die Skinheads geschrieben wurden, so z.B. „Skinhead Train“ von Laurel Aitken oder die LP „Skinhead Moonstomp“ von Symarip. Wo Licht ist, gibt es auch Schatten und neben tollen Songs und Platten erschien auch viel Mist, nur um Kohle aus der Szene zu pressen. Da sich der Stil auch immer mehr von den Skinheads lossagte und die Skinheadszene im Allgemeinen schrumpfte, endete diese Ära in den frühen 70ern und der Reggae nahm den Weg des Mainstream und landete irgendwann in der breiten Masse. Weiter wurde der Reggae immer mehr durch religiöse Themen in andere Fahrwasser gezogen und auch der, fast schon dazugehörende, Genuß von Haschisch war nicht das Paar Stiefel, welches den Skinheads paßte. Was aber nicht heißt, daß Skinhead Reggae damit nun tot war.

Sehr beliebt bei Skinheads war auch der Northern Soul. Dies dürfte sich mit der Herkunft der Skinheads begründen, die ja auf die Mods zurückgeht. Diese liebten diese, meist schwarze, Musik aus dem amerikanischen Norden. So war es an der Tagesordnung, daß in Clubs, die von Mods und Hardmods und später Skinheads besucht wurden, Soul gespielt wurde. Das „Motown“-Label hatte hier die Nase vorn und den richtigen Riecher. Musiker wie die Supremes, Four Tops, die Temptations oder Marvin Gaye sind bekannte Musiker des Stils und konnten später auch Mainstreamerfolge verbuchen. Es kamen Ende der 60er immer weniger Platten nach Europa, die diesen Stil bedienten, da der Trend Richtung Funk ging. Aber findige DJs konnten ihren Fans immer noch den guten Soul präsentieren, so wurden auch längst verstaubte Platten erst in den 70ern richtig bekannt. Der Begriff „Northern Soul“ geht auf den Plattenladenbesitzer Dave Godin zurück, der eine Bezeichnung für die gefragten Platten brauchte, damit seine Angestellten wußten, worum es geht. Im England der 70er war Northern Soul eine Massenbewegung mit teils eigenen Regeln. Nachpressungen zu spielen galt schon als Sünde und auch Folgestile des Northern Souls wie neuerer Soul oder Funk waren tabu. Die Regeln wichen von Club zu Club ab und so kam es  zu Rivalitäten unter den Clubs und deren Besucher. Mit „Kent Records“ gab es später dann auch ein Label, welches hochwertige Wiederveröffentlichungen auf dem Markt brachte.

Obwohl es sich bei Punk um eine eigenständige Subkultur handelt, hat die Musik ihre Einflüsse auch in der Skinheadszene hinterlassen und soll hier aus dem Grunde auch erwähnt werden. Eigentlich eine Erfindung eines windigen Geschäftsmannes namens Malcolm McLaren und die Vorreiter dieser Bewegung, die Sex Pistols, waren auch nur schlechte Protagonisten, die dann zum Kult wurden. Aber bereits vorher gab es diese Richtung, nur daß McLaren ihn berühmt machte. Komischerweise sind die Sex Pistols immer noch die Gruppe, die immer in Zusammenhang mit Punk auftauchen, obwohl sie wahrlich der „großartigste Rock'n'Roll Schwindel“ aller Zeiten waren und es wesentlich bessere Bands dieses Genres gibt. So spaltete sich der Punk bereits früh in die geldgeilen sowie trendfolgenden Bands und die, die eine wirkliche Rebellion und Distanz von Staat und Gesellschaft wollten. Im Ursprung war Punk, entgegen allgemeiner Sicht, auch gegen linke Ansichten, es war  „Working Class Rock'n'Roll“ und wurde zu Beginn auch so genannt. Im Punk konnte jeder Musik machen, es mußte nur schräg genug klingen. Es war jetzt kein Manko mehr, nur drei Akkorde zu beherrschen, sondern eine Auszeichnung. Die Pistols provozierten mit Songs wie „Anarchy in the UK“ oder „God save the Queen“. Aber auch äußerliche Provokation wie kaputte Kleidung, Sicherheitsnadeln im Ohr und der Nase und Hakenkreuze, waren beliebte Mittel, um die Spießer auf die nicht vorhandene Palme zu bringen. Während die Fans meist nach vorgegebenen Mustern ihr Outfit und den Haarschnitt wählten, so hielten sich die Bands an keinerlei bestimmte Vorgaben und machten ihr eigenes Ding. Neben den Pistols waren The Clash, The Damned und The Stranglers bekannte Bands, die aber ziemlich schnell im Mainstream aufgingen.  Punkbands, die aufgrund ihrer Entstehungszeit nicht auf den fahrenden Punkzug aufspringen konnten, oder es aus diversen Gründen nicht wollten und dadurch weitaus ehrlicher als o.g. Bands waren, sind beispielsweise Crass, The Buzzcocks, Cock SParrer und die frühen Skrewdriver.

Der Hardcore entstand aus dem Punkrock und entwickelte sich in den USA aber auch im Großbritannien zum Ende der 70er Jahre. Obwohl sich später daraus eine eigene Subkultur entwickelte, war er ursprünglich noch eng mit Punks und Skins verbunden. Mitte der 80er ging der Hardcore dann zumeist in weitere Abspaltungen auf. Bad Brains, Black Flag, Minor Threat aber auch Agnostic Front gelten als wichtige Protagonisten des Genres. Musikalisch ging es weitaus härter als im Punk zu, wohingegen textlich oft auch punktypische Texte Eingang in die Hardcoremusik fanden. Hardcore fand sich später auch immer mehr in Stilen wie Metal oder Grunge wieder. Neben Punk hat auch Hardcore sich aus dem Untergrund in den Mainstream hochgespielt. In den 90ern waren dann rechte Bands aus Amerika die Vorreiter des Hatecore (das rechte Pendant zum Hardcore) und aus wenigen Bands wurde eine eigenständige Szene, die sich nicht nur der Musik, sondern auch des Kleidungsstils ihrer Brüder bediente.

Wesentlich realistischer und jenseits gecasteter Bands war der Streetpunk. In Zeiten wo Punk immer mainstreamlastiger und linker, weil gesellschaftsfähig, wurde, entwickelte sich eine neue Art des Punks: der Streetpunk war geboren. Themen um die Arbeiterklasse und das Abhängen in Pubs nach der Arbeit waren hier vorherrschend. Es ging nicht um Provokation und „Anarchy in the UK“, sondern um das tägliche Leben und Überleben der Arbeiterkids mit all ihren Sorgen und Problemen. Aber auch Sozialkritik und Kritik an Politik und Gesellschaft waren von nun an Themen dieser neuen Richtung. Musikalisch konnte man meist noch eine Schippe mehr an Melodie drauf werfen. Bands die in dieses Genre passen sind Angelic Upstarts, Infa Riot, Blitz, Menace und auch Cock SParrer. Wobei viele Bands auch unter Oi! zu finden sind und wohl in beide Kategorien passen.

Die Oi!-Musik ist dann auch nur eine Weiterentwicklung des Streetpunk, aber anfangs eher fast ausschließlich der Skinheadszene zuzuordnen, als es beim Streetpunk der Fall war. Dennoch ist der Unterschied beider Stile kaum zu sehen, was ja auch die Zuordnung vieler Bands zu beiden Kategorien zeigt. Woher stammt nun das Wort „Oi!“??? Die häufigste Aussage ist, daß  die Rejects beim Anzählen ihrer Lieder anstatt des „1, 2, 3“ einfach „Oi!, Oi!, Oi!“ riefen. Aber auch die Anlehnung an das britische Wort „Joy“ für Freude ist eine Erklärungsmöglichkeit. 1981 erschien ja dann auch der Sampler „Strength thru Oi!“, etliche Platten mit „Oi!“ im Titel erschienen darüber hinaus. Daß der Ausruf sowie das Album nun aufgrund der englischen Interpretation von „Kraft durch Freude“ also „Strength thru joy“ entspringt ist eine Mär und wird gerne von den Medien benutzt, um die Musik ins falsche Licht zu rücken. Ähnlich wie beim Streetpunk, kamen die Texte von der Straße und waren ehrlich im Gegensatz zu den frühen Punkbands, die von Dingen sangen,  mit denen sie längst gebrochen hatten. Viele Oi!-Anhänger waren Skinheads und so wurde Oi! fast immer in Zusammenhang mit Skinheads genannt. So ist  es kaum verwunderlich, daß Oi!-Musik fest mit der Szene verwurzelt ist. Auch für die „tradiotinellen“ Skins wurde dieser Stil attraktiv und diese hörten nun nicht mehr ausschließlich die Rhythmen von Ska bis Northern Soul. Allerdings gab und gibt es Skins, die damit nichts zu tun haben wollen und Oi! als schlechten Einfluß auf die Szene abtun.  Wie auch schon beim Streetpunk wurde beim Oi! musikalisch im Gegensatz zum Punk mehr auf Melodien geachtet und Bands wie The Business oder Vanilla Muffins müssen damit leben, als Pop-Oi! abgestempelt zu werden. Aber das muß ja nicht grundsätzlich schlecht sein und Business oder eben Vanilla Muffins machen nunmal geile Musik! Auch wurde meist drauf geachtet, daß die Texte gut mitzusingen waren und etliche Klassiker enthalten geniale Singalongs. Bands wie The 4 Skins, The Opressed, Cockney Rejects, Last Resort, Cock SParrer, Condemned 84, Combat 84 und Peter & The Test Tube Babies sind nach wie vor Bands, die ewig mit Oi! in Verbindung bleiben.

Als Antwort auf die linken „Rock Against Racism“-Konzerte entstand zuerst als Idee und später als eigenständige Sparte der „Rock Against Communism“, kurz RAC. Da der Kommunismus weit über 100 Millionen Opfer weltweit forderte, hat der RAC sicher auch eine Daseinsberechtigung. Erste RAC-Konzerte fanden bereits 1977 statt. Wenn Ian Stuart auch nicht der Erfinder dieser Richtung war, so war es doch Ian Stuart, der aus RAC eine eigenständige Musikrichtung machte. Somit sind Skrewdriver, sowie die meisten Soloprojekte des Skrewdriver Frontmannes, auch  das Aushängeschild des Rock Against Communism. Neben Brutal Attack und No Remorse fanden später auch Bands wie Skullhead den Weg unter das RAC-Banner. Darüber hinaus gibt es weltweit unzählige Bands und eine Auflistung würde den Rahmen sprengen. Musikalisch ist es einprägsame Rockmusik jenseits des Punk und Oi! und auch Balladen fanden Eingang in den Stil. Textlich ging es aber nicht nur gegen den Kommunismus, sondern auch um Liebe zum Vaterland, Kritik an herrschender Politik, Stolz auf die eigene Abstammung, aber auch Bezüge zur Skinheadszene und Spaßthemen fehlten nicht. Allerdings versuchten einige Bands auch, mangelndes Können durch radikale Texte  ausgleichen zu können, was nicht gerade jeden begeistern konnte. So viel zum Thema Musik.

Schon in den 70ern spaltete sich die einst politisch gemischte Szene in Lager von links bis rechts, was dem Ganzen sicher nur schadet(e). Alle Seiten versuchten die Skinheadszene zu vereinnahmen und hatten doch nur deren Ausnutzung als williges und billiges Stimmvieh; als Bereicherung von Veranstaltungen; als Laufburschen, Plakatkleber und Zettelverteiler; Ordner auf Veranstaltungen der jeweiligen Gruppen; und; und; und; im Sinn. In einem war man sich stets einig, ob es nun die Linke oder Rechte war: Man wollte den Skinheads einimpfen, wie man als „echter“ Skinhead zu sein hatte. Sprich: Man mußte Antirassist oder Rassist sein! Es gab nur schwarz oder weiß, ein Dazwischen war für die Rattenfänger nicht drin. Heute ist es nicht viel anders, nur das noch mehr Gruppen um die Lufthoheit der Skinheads kämpfen, um diese für ihre Ziele zu benutzen. Gewinnen wird wohl keiner, aber es zermürbt die Szene. Dennoch ist positiv, daß der Großteil der Skinheads sich nicht vereinnahmen läßt und für sich selber denkt. Wir brauchen keine Schubladen! Ein denkender Skinhead kann sich sehr wohl neben der Szene politisch engagieren, ohne dies gleich mit der Szene zu verbinden!

In den 80ern bildeten sich dann zunehmend immer mehr politische Strömungen innerhalb der Szene, die von ganz links bis ganz rechts gehen. Jede Gruppe erhebt dann auch für sich den Anspruch „die einzig wahren Skins“ in der Szene zu repräsentieren. Daß dies nicht zur Einigung, sondern zur Spaltung beiträgt, ist offen sichtlich. Ging es früher ohne Grüppchenbildung, so will heute jeder sein eigenes Süppchen kochen und durch die ganzen Namen steigt kaum einer durch.

Für die Medien waren Skinheads immer ein gefundenes Fressen und Schlagzeilen, in der das Wort „Skinhead“ vorkam, garantierten eine höhere Auflage. Allerdings waren die Medien bereits von Anfang an der Meinung, daß alle Skinheads Rassisten, Ausländerhasser, Totschläger, Menschenfresser, Kriminelle, Klebstoffschnüffler, Idioten u.ä. waren und sind. Das hat sich bis heute nicht geändert, da ein Skinhead, der sich sozial engagiert, weder für eine Schlagzeile, noch für eine höhere Auflage gut ist...

Das Ausschlaggebendste (zumindest für Medien und Außenstehende) war wohl immer der Haarschnitt. Eine Spiegelglatze war, entgegen allen Dummsabblern, nie populär und wurde erst durch die Punx und später durch die Boneheads zur Mode. Die Haare wurden immer nur besonders kurz getragen und nicht mit der Klinge rasiert. Beliebt waren und sind auch immer wieder Koteletten, aber bitte nur bei Leuten, die auch den entsprechenden Bartwuchs haben, da Fussel echt asig aussehen! Lange Haare sind aber ebenfalls tabu und entgegen aller Spinnerei sind das nun wirklich keine Skinheads!

Die Kleidung ist neben der Musik wohl das A und O eines jeden Skinheads. Und so einheitlich es auch nach außen erscheint, so facettenreich und verschieden ist der Kleidungsstil der kurzhaarigen Bootboys. Dieser reicht von dezent und smart bis „ungeschliffen“ und mehr oder minder punkig. Bestimmte Kleidungsstücke kamen aber bei den Skinheads nie „aus der Mode“. Auch ist der Stil seit jeher mit der Working Class verbunden.

Es war in den frühen Jahren durchaus üblich, auch in Anzügen rumzulaufen, wie auch schon bei den Mods. Diese wurden vor allem bei Nightern oder zum Ausgehen getragen. Die Skins ließen sich ihre Anzüge meist extra anfertigen und das war auch zur damaligen Zeit nicht gerade erschwinglich für die Arbeiterkids. Heute sind Anzüge fast vollends aus der Skinheadmode verschwunden und man sieht Skins in diesem edlen Dress fast ausschließlich nur noch auf Nightern.

An Schuhwerk trug man zu Beginn einfache Arbeitsstiefel ohne Namen und meist ein bis zwei Nummern größer. Später wurden dann die wesentlich smarteren Doctor Martens fester Bestandteil der Skinheadmode. Sog. Rangerstiefel waren und sind aber auch sehr beliebt. Die Schuhmode reichte von eleganten Brogues und Loafers, einfachen Martens- und Ranger-Halbschuhen mit oder ohne Stahlkappe, bis hin zu schweren Stiefeln, hier auch mit oder ohne Stahlkappe. Entgegen der Meinung je höher der Stiefel, desto toller der Skinhead, der da drin steckt, gehörte es zum guten Ton, 8 oder 10 Lochstiefel den 14 Loch oder gar noch höheren Stiefeln vorzuziehen. Gerne wird in den Verdummungsmedien über Farbkombis der Schnürsenkel philosophiert. Entgegen allen Gerüchten usw., usf. hatten Farben von Schnürsenkeln in den Boots meist persönliche Bedeutung, oder zeigten die Zugehörigkeit zu lokalen Gangs. Überregionale Bedeutung, oder gar Einheitslook bei verschiedenen Flügeln der Skinheadbewegung gab es nie.

Was nun die beliebten Bomberjacken betrifft, so ist es ein Irrglaube, daß die olivgrünen B-Jacken erst mit rechten Skins Einzug in die Szene hielten. Diese Farbe war schon früh bei Skinheads beliebt und wurde erst später durch die schwarzen Bomberjacken ersetzt. Ob es nun andersfarbige B-Jacken sein müssen, liegt wohl am Geschmack des Einzelnen, obwohl bordeauxrote bei Skingirls sehr smart aussehen können. Sehr beliebt sind auch Donkeys mit Kunstlederbesatz. Ursprünglich waren diese schweren Jacken für englische Dockarbeiter gedacht, hier kommt dann wieder der Bezug zur Arbeiterklasse zur Geltung. In Übergangszeiten des Jahres sind die Harrington- und Monkey-Jacken sehr beliebt und geben dem Träger eine gewisse Smartness. Der Crombie stellt natürlich die Krönung eines jeden Skinheads dar. Dieser Mantel war und ist ein begehrtes, aber leider auch sehr teures, Kleidungsstück der Szene. Soviel zu den „Überziehern“.

Neben Fußball- oder Bandshirts gehören Polohemden und Buttondown-Hemden seit jeher zur typischen Skinheadkleidung. Bei Polohemden werden die von Fred Perry bevorzugt. Perry war britischer Tennisspieler und hatte seinen Ursprung in der Arbeiterklasse.

Bei Buttondown-Hemden trug man in der Frühzeit noch Hemden, die einem vom Muster her zusagten und nicht die mit dem richtigen Label. Brutus-Hemden waren sehr beliebt, weil sie tolle Muster hatten, die nichts mit aktuellen Moden zu tun hatten. Aber auch die Marke Ben Sherman stellte sich früh auf den Kundenkreis der Skinheads ein und so wurde die Marke eine der beliebtesten Hemdenmarken bei Skinheads und das bis heute. Die aktuellen Kollektionen gleichen aber eher dem Mainstreamchick und sind ein Graus für traditionelle Skinheads.

Strickjacken, Strickpullover, meist mit V-Ausschnitt und ebensolche Pullunder, in der Hauptsache von Fred Perry, waren und sind ebenfalls sehr gefragte Kleidungsstücke.

Durch die Punkeinflüsse kamen dann auch Kapuzen-Sweatshirts hinzu, diese stammten meist von der Firma Lonsdale. Später tauchten diese auch von Perry und Sherman auf. Inzwischen werden auch Kapus mit Bandlogos usw. getragen.

Was nun das Beinkleid betrifft, so macht die Skinheadszene hier keine große Ausnahme und am beliebtesten ist auch hier die Jeanshose. Wer als Skinhead was auf sich hält, der trägt traditionell eine 5-Pocketjeans. Am beliebtesten sind hier die von Levis. Wer etwas besonderes tragen wollte oder will, griff/greift auf Sta-Prest, Levis liegt in der Beliebtheit wieder vorn, mit Bügelfalte zurück. Auch Domestos-Jeans erfreuen das Skinheadherz. Diese werden aber selbst gemacht und nicht von der Stange gekauft. Meist werden die Jeans etwas hochgekrempelt, oder umgenäht. Einige schneiden sie auch einfach ab und lassen sie ausfransen, was aber doch eher krakig aussieht. Auch sollte durch das Hochkrempeln oder Umnähen nicht der ganze Stiefel, wenn möglich gar bis zum Knie..., zum Vorschein kommen, sondern nur bis kurz über den Knöchel. Zu allen Zeiten waren auch schon Armeehosen Teil der Skinheadmode. Baggie-Hosen und anderer modischer Mist hat mit Skinheadstil nun aber echt nichts zu tun.

War der Skinhead von Welt nun fertig für die Schlacht??? Die einen sagen ja und aufmerksame Leser werden jetzt „Halt!“ schreien und das zu Recht. Abgerundet wurde das Outfit von vielen Skinheads noch mit den obligatorischen Hosenträgern. Aber nicht breit und in schwarz-rot-senf, sondern einfarbig und schmal. Und einen Gürtel braucht man dazu auch nicht! Da Skins der ersten Stunde oft die Jeans ihrer älteren Brüder auftrugen, hielten die Braces die zu große Hose an ihrem Platz. Später wurden Hosenträger reines Modeacessoires und einige ließen diese auch an den Hosen runterhängen.

Schals von Fußballvereinen waren auch gern gesehen und neben dem Pork Pie kamen auch Schlägermützen schnell zur Schrankausstattung der Skinheads. Durch den Film „Clockwork Orange“ kamen auch Melonen zeitweise in Mode.

Die Mädels kleideten sich ähnlich wie ihre männlichen Kollegen. Tagsüber wurde fast ausschließlich dieselbe Garderobe getragen. An Stiefeln wurden aber vorwiegend Monkey Boots getragen, da das weiblicher aussah als klobige Rangerboots. Loafers und Brogues waren aber auch bei den Frauen hoch im Kurs. Zum Ausgehen wurden dann gerne kurze Röcke mit Schottenmuster und Netzstrumpfhosen getragen. Dies wurde oft mit Perry Polos oder Buttondown-Hemden oder -blusen kombiniert. Aber einige Skingirls bevorzugten auch maßgeschneiderte Kostüme. Anfangs trugen die Frauen ihre Haare noch gleichmäßig lang und der Feathercut kam erst etwas später dazu. Allerdings war es immer schon eine Unmode sich so zu verstümmeln, daß nur noch ein Pony stehen blieb. Auch das Haarefärben war zu Beginn gar nicht so oft gesehen.

Mit Aufkommen des Punx kamen dann nochmal neue Einflüsse mit in die Szene, siehe oben und auch der erneute Hardcoreboom zu Beginn der 90er brachte nochmal etwas neuen Wind in die Bewegung. Wer das eine oder andere nun braucht, muß jeder selbst entscheiden.

Auch Tätowierungen erfreuten sich in der Szene schon seit jeher großer Beliebtheit. Wurden die Tattoos der ersten Skinheads noch von wenig talentierten Kollegen, oder selbst, gemacht, so geben Skinheads heute viel Geld für Tätowierungen in guten Studios aus. Die Motivwahl ist hier sehr weitreichend und geht oft über die Szene hinaus.

Leider nimmt auch der Merchwahn in unserer Szene immer mehr zu und es gibt Unmengen an Bands, die keiner kennt, die aber ihren imaginären Fans die ganze Palette an Merchschrott vom Schlüsselband und Sonnenbrille über Feuerzeug und Tasse bis hin zu Unterwäsche und Handtüchern unterjubelt. Nix gegen Pins und Anstecker aller möglichen Bands und auch nichts gegen Shirts von relativ unbekannten Bands, aber die volle Merchpalette muß es doch nicht sein. Und selbst bei „bekannten“ Bands ist fraglich, wo der Kommerz und Scheiß seinen Anfang nimmt...

Meik

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