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Arroto

Interview: Meik, Übersetzung: Frau M., Meik

Brasilianische Bands sind selten schlecht und es kommen echt tolle Bands aus Brasilien, doch leider kennt man die wenigsten... Dank Pierre (Honor Ferox, Vontade & Luta Fanzine, Vontade & Luta Records) bekam ich das geniale Arroto-Album zugesteckt und das fixte mich gleich an. Es ist eine Mischung aus Streetpunk und Hardcore, letzteres nicht unbedingt mein Paar Stiefel. Hier aber paßt es nicht nur, sondern haute mich auch um, also warum nicht ein Interview?!? Nach der Anfrage tat sich erstmal gar nichts und ich rechnete schon nicht mehr mit einer Zusage. Um so begeisterter war ich, als mir Pedro das Interview zusicherte und mir auch steckte, daß ihm unser Zine gefällt. Nachdem ich die Fragen weggeschickt habe, kam ewig nichts zurück und auch die Deadline verstrich längst. In Gedanken war ich schon am Layout und physikalisch befand ich mich gerade bei meiner Freundin. Ich störe mich ja nicht an Mehrarbeit und so setzten wir uns abends noch zu zweit an die Laptops und schusterten an der Übersetzung, da das Interview noch mit in die Ausgabe sollte. Den Rest der Übersetzung erledigte ich am Heiligen Abend vor meiner Schicht, das Ergebnis lest Ihr hier. Haltet mal nach dem Album Ausschau, oder meldet Eiuch bei Interesse bei der Band, Pierre von Vontade & Luta Records, oder mir. Und ab!

 

Stellt doch bitte die Band kurz vor. Wie lange gibt es Arroto schon, gab es Bands vor Arroto und warum gründete sich Arroto?

Sid  und ich  sind Freunde seit Kindestagen und wir mögen die selben Bands, wie beispielsweise Exploited, GBH, Cockney Rejects... Wir wollten zusammen spielen und begannen 2001 mit unserer gemeinsamen Band, um unsere Ideale und unser Lebensgefühl auszudrücken.

 

Seid Ihr eine Band, die aus Freunden entstand, oder entwickelte sich aus der gemeinsamen Band eine Freundschaft?

Über die Jahre kamen und gingen viele Leute, alte Freunde gingen und neue kamen auch hinzu. Das wichtigste ist doch, daß wir gemeinsame Ideen haben und auch daran glauben.

 

Was ist mit Arroto gemeint..., bitte sagt uns die Wahrheit...

Arroto  bedeutet rülpsen oder Rülpser, dies soll nun nicht nur einfach als Bandname stehen, sondern auch die Art und Weise unserer Songs widerspiegeln, wir machen uns in den Liedern Luft. Es sind Songs aus dem Leben und über die Widrigkeiten des Alltags, es geht um Problembewältigung und Sachen, wie wir in Brasilien mit verschiedenen Dingen umgehen. Die Texte haben einen aggressiven Unterton, der befreiend ist, eben ein Rülpser.

 

Euer Album „Nova ordem mundial“ heißt übersetzt „Neue Weltordnung“, ist das korrekt? Ist die Neue Weltordnung, und die Gruppen dahinter,  ein großes Thema für Euch und warum? Erzählt uns bitte mehr...

Wir haben das Album „Nova Ordem Mundial“ genannt, weil dieses Jahr so viele Dinge in Brasilien geschehen sind, die Leute haben die Nase voll von den sozialen Problemen und der politischen Korruption. Wir sehen, daß die Leute für ihre Rechte, ihr Ansehen und an das, was sie glauben, auch kämpfen. Die Leute versuchen, zu bekommen, wonach sie streben, egal, welchen Weg sie dafür gehen müssen, welche Regeln sie brechen müssen,  gegen welche der derzeitigen Gesetze sie verstoßen, um gegen die NWO anzugehen.

 

Dinge über die NWO usw. waren und sind immer ein Tabuthema und die Medien bringen auch keine Fakten darüber und die Leute interessiert es scheinbar auch nicht und so wird die NWO Schritt für Schritt realer. Wie können die Menschen diese Fremdbestimmung noch stoppen?

Ich sehe jeden als Individum mit den gleichen Rechten und bringe ihm den gleichen Respekt entgegen. Die Menschen sollten auch mal an andere denken, anstatt immer nur an sich, das würde die Welt zu einem besseren Ort machen.

 

Das Cover von Eurem Album schlägt den gleichen Weg ein, erzählt uns ein wenig über das Artwork des Albums.

Es erzählt von dem, was hier passiert. Auf der einen Seite die extreme Armut, der Anstieg von Gewalt in den Städten, die Leute verschließen die Augen vor der Realität. Die Polizei und der Staat unterdrücken diejenigen, die für ihre Rechte kämpfen. Die  Medien verdrehen die Fakten und die Korruption ist überall. Auf der anderen Seite arbeitest Du hart, steuerst deinen Teil für das System bei. Leider ist das die Realität im „Paradies“, besser bekannt als Rio de Janeiro...

 

Dann laßt uns mal über Eure Texte reden. Seid Ihr eine politische Band, oder  sind es nur einige Eurer Lieder?

Nein, wir sind keine politsche Band.. Wir sprechen nur über das, was uns bewegt, unsere Sorgen, unsere Gefühle und das verarbeiten wir in unseren Songs über Freundschaft und Bier und andere soziale Probleme. Sicher, Brasilien hat einen stark ausgeprägten politschen Bezug und wir verschließen davor nicht die Augen, sodaß es vorherschende Themen in unseren Songs sind.

 

Wodurch wird Euer Songwriting beeinflußt? Erzählt mal etwas mehr über Eure Songs.

Ich sagte es ja schon zuvor, die Songs sind stark durch das Erlebte geprägt, oder eben durch Gedanken, die wir uns machen... Das bekommt dann noch einen Schuß über Freundschaft, Bier und das wichtigste Thema überhaupt: Chaos dazu und fertig sind die Stücke.

 

Ein Stück heißt „10 years“, meinen Glückwunsch! Erzählt den Lesern mal ein paar Geschichten über die Ups und Downs in dieser Zeit und warum Ihr nicht müde werdet, weiterhin eine Band am Leben zu halten und Ihr nicht aufgebt, wenn es mal nicht so gut läuft...

Ups und Downs sind ganz normale Dinge im Leben. Du kannst ja auch vor Problemen nicht einfach die Augen verschließen! Wenn man etwas toll findet, bleibt man der Sache treu. Wir haben es uns so ausgesucht und so bleiben wir der Musik schon über 10 Jahre treu und all die Jahre prägten uns und machten uns zu dem, was wir heute als Band sind.

 

In „On the street“ singt Ihr über Spaß und Bier und über Schlägereien, wenn Ihr unterwegs seid. Erzählt mal eine typische Geschichte, die Ihr erlebt, wenn Ihr die Straßen unsicher macht.

Wenn wir losziehen, dann, um Spaß zu haben und ein paar Bier mit Freunden zu trinken, ab und an gehen wir auch zu Ska-, Punk- oder Oi!-Veranstaltungen, die ja nicht so oft sind. An den Plätzen, wo wir uns treffen, kommt es dann auch mal zu Ärger mit anderen Gruppen und auch Gangs. Wir suchen den Ärger nicht, aber es bleibt eben nicht aus, daß es auch zu Streß kommt und dem stellen wir uns dann.

 

“Prisioneiro“ ist höchstwahrscheinlich ein Stück über Gefangene, oder?!? Ich verstehe Eure Muttersprache leider nicht und so interessiert mich der Inhalt des Songs, also erzählt mir und den Lesern mal etwas darüber. Habt Ihr Freunde, die gerade im Knast sind, oder gilt der Song allen Gefangenen?

Der Song ist kein Lied über physikalische Gefangenschaft und befaßt sich eher mit dem Gefangensein im eigenen Leben, oder in Denkweisen. Der Song soll Mut machen, an sich selbst zu glauben und das beste aus seinem eigenen Leben zu machen. Man soll Gefühle und die Persönlichkeit respektieren, wer das nicht macht, sperrt sich selber ein und lebt wie ein Gefangener. Dann ist man nur selber einer der vielen Angepaßten auf dieser verrückten Welt.

 

In Deutschland sind viele Leute aus der Szene auch schonmal im Knast gewesen, oder sind es noch. Meist weil sie sich im Suff geprügelt haben und dann stellen sie sich als politische Gefangene dar. Was versteht Ihr unter politischen Gefangenen?

Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Frage richtig verstanden habe. Doch für mich ist ein politischer Gefangener jemand, der gegen das System kämpft und sich gegen die Staatsmacht einsetzt.

 

Unterstützt Ihr Freunde und Bekannte im Knast und wie sieht Eure Unterstützung aus?

Alle aus der Band haben jemanden, oder kennen jemanden, der zur Zeit im Knast ist. Wir unterstützen sie, so weit es uns möglich ist. In Brasilien ist die größte Hilfe, die Angehörigen außerhalb des Knastes zu unterstützen. So helfen wir den Freunden und Familien von Inhaftierten.

 

Neben den kritischen Songs singt Ihr auch über das Trinken und Spaß haben. Wolltet Ihr bewußt kritische Songs und auch spaßige Lieder auf die Platte bringen?

Nicht zwangsläufig, letztlich sind die Songs durch unser Leben geprägt und da kommt nunmal beides vor... Wir haben genug erlebt und haben nun die Möglichkeit, es zu verarbeiten und es mit den Hörern zu teilen.

 

Musikalisch spielt Ihr einen großartigen Mix aus melodischen Hardcore und Streetpunk. Seht Ihr das auch so, oder würdet Ihr Euch musikalisch anders verorten?

Wir würden uns schon als Streetpunkband bezeichnen, doch ebenso steckt in einigen Songs eine Prise Hardcore.

 

Wie sieht es mit der Szene in Brasilien aus? Ist es eher eine Szene, die zusammenhält, oder ist die Szene eher zerstritten und in Gruppen unterteilt?

In Brasilien ist es mit der Szene abhängig von der Gegend, so ist die Szene in Sao Paulo sehr groß, während sie in Rio eher klein ist... Wir kennen fast jeden, der unsere Art der Musik mag. In dem Punkt herrscht hier Zusammenhalt. Aber gleichzeitig gibt es einige andere Gruppen und auch Radikale, die nur auf Ärger und Krawall aus sind, was aber die eigentliche Szene nur stärker macht.

 

Die Hardcoreszene ist ja maßgeblich auch durch den Straight Edge-Gedanken geprägt und ich habe nichts gegen diese Strömung, wenn die Leute einen nicht bekehren wollen, oder gar militant anderen ihre Meinung aufzwingen wollen. Ich möchte nicht diktatorisch gesagt bekommen, was richtig und falsch ist, sondern selber entscheiden, was ich für  unterstützenswert halte und was nicht. Wie denkt Ihr über Straight Edge und die Leute, die den Gedanken schon eher als Religion betrachten, der alle folgen müssen, die Hardcore hören?

Ich habe mit denen keine Probleme, aber es ist schon ärgerlich, wenn einige es für richtig halten, andere bekehren zu müssen und anderen zu sagen, was richtig oder falsch ist. Und das gilt für viele Bereiche des Lebens: die Art der Musik, der Weg des Lebens, Religion, Sport, etc. Die Menschen sind grundverschieden und das ist doch etwas tolles und man sollte das auch akzeptieren.

 

Was dürfen wir in der nahen Zukunft von Euch erwarten?

Nächstes Jahr wird es einige Konzerte von uns geben, wir wollen neue Songs schreiben und einstudieren und wir wollen eine Menge Spaß zusammen mit unseren Freunden haben.

 

Gibt es Pläne, mal in Deutschland zu spielen?

Es wäre großartig, mal in Deutschland und wir hoffen, daß es irgendwann auch wahr wird.

 

Okay, nun ist Zeit für letzte Worte, Grüße, etc.

Vielen Dank für Euren Support! Herzlichen Dank für das Interesse an unserer Musik und das Interesse an unserer Band und die Möglichkeit, uns Euren Lesern vorzustellen! Ein Lob für die Mühen, die Du in die Arbeit für die Szene steckst, in dem Du auf diesen Weg etwas tust!

Cheers!

 

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