Sharpweiß
MF-Logo Schwarz - 20 years

Crypt©eepers

Interview: Meik

Auch eine Band, die bisher nicht auf dem Schirm war... Irgendwie fand die Band aber auch mich, oder zumindest der Gommez, seines Zeichens Sänger der Cryptceepers. Er wurde auf dieses Schundblatt, welches Du, werter Leser, jetzt im besten Fall in den Händen halten solltest, aufmerksam und so orderte ich mir die CD der Jungs und sie gefiel mir gut und es entstand ein Interview. Nebenher schrieb ich auch das eine oder andere Mal länger mit Gommez und wir unterhielten uns gut und merkten schnell, daß wir ähnlich ticken und er ein sympathischer Mensch ist, somit also ein Grund mehr für das hier...

 

Bitte stellt Euch den Lesern einmal vor und erzählt mal etwas zu Eurer Bandgeschichte und woher der etwas ungewöhnliche Name kommt.

Gommez: Wir sind die CryptCeepers aus dem Hamburger Umland. Ursprünglich von mir und Olli 00/01 als Demonic Hordes gegründet, mit dem Hintergrund des Black Metal. Mit diversen Umbesetzungen änderte es sich dann Richtung Punk mit Death Metal-Gesang (Demo: Death Punk). Zu diesem Zeitpunkt wurde der Name auch etwas neutraler gestaltet. Der alte Hintergrund war noch immer da, aber es sollte eben nicht mehr der alte Name sein, da man sich musikalisch komplett geändert hatte. Plötzlich gingen die Wechsel wieder los und die Band wurde beerdigt. Jahre später kam wieder Kontakt mit Olli auf und wir belebten die Band neu mit komplett neuen Mitstreitern.

Inzwischen haben wir endlich eine feste Besetzung:

Gommez - Gesang

Olli - Gitarre, Gesang

Kneipe - Gitarre, Gesang

Celtic - Bass

Jaybee - Schlagzeug

(An der Besetzung änderte sich inzwischen etwas: Celtic ist inzwischen raus und es wird Ersatz gesucht.)

Celtic: Zur Band bin ich 2009 eher durch Zufall gekommen. Ein Bassist wurde gar nicht zwingend gesucht, aber Barfly, unser erster Drummer und mein Weggefährte aus Schulzeiten, las die Anzeige daß ein Drummer gesucht wird - nahm mich mit zu den ersten Proben der Neugründung und so blieb ich einfach dabei. Der Bandnahme ergab sich dann einfach. Genau kann ich das aber auch nicht mehr erinnern.

Anmerkung Gommez: Olli spielte damals eigentlich Baß und wechselte dann an die Gitarre.

 

Wo darf man Euch musikalisch einordnen? Laut Biografie auf Eurer Seite liegt die Vergangenheit einiger ja auch im Metal etc. Ich würde es als melodischen Streetrock mit Anleihen von Metal und Black Metal, zumindest stimmlich und textlich, bezeichnen.

Gommez: Stimmt, Metal wird bei uns gerne gehört. Das geht von Heavy über Black, Death, Grind etc. Aber auch Oi!, Punk, Blues, Hardrock. Ich persönlich höre alles, was knallt und der Stimmung entspricht. Uns musikalisch in eine Schublade zu stecken, ist wohl schwer. Es ist kein Metal, kein (Horror)Punk, kein Oi!, einfach Streetrock ohne Limits.

Celtic: Gommez hat's schon gut gesagt . Jeder von uns hat verschiedene Vorlieben und Einflüsse und bringt diese mit ein und am Ende ist es dann Streetrock. Ich komme aus der Hardrock und Bluesecke und bringe so meinen Teil mit ein.

 

Seit der Wiederbelebung der Band gibt es Euch nun auch schon wieder einige Jahre. Hattet Ihr bei der Wiedergründung eine andere Musikrichtung im Blick als noch zu Anfangszeiten?

Gommez: Wirklich geplant war nichts, wir waren aber neugierig, wohin es uns diesmal treibt. Wir sind gerne flexibel und machen, was uns gefällt. Wir spielen an sich vor fast jedem Publikum, solange die Leute es schaffen, mal einen Abend die leidige Politik zu Hause zu lassen. Musik bedeutet Spaß und das wollen wir bieten und keinen Soundtrack zur Parteiklopperei.

Celtic: Wir hatten eigentlich keine besondere Richtung im Sinn . Wir spielten drauf los und lassen uns auch immer noch überraschen was dabei rauskommt. Es hat sich einfach so ergeben.

 

Textlich befaßt Ihr Euch ja auch mit Hetze und Lüge. Kommt das eher aus privaten Erfahrungen, oder weil man Euch als Band auch angepißt hat? Könnt Ihr mehr erzählen?

Gommez: Sowohl als Band, als auch ich persönlich machte so meine Erfahrungen, das fließt da alles mit rein. Besonders das Lied "Ich bin frei!" auf der CD ist so eine ganz persönliche Sache. Ergab sich kurz vor den Aufnahmen im Studio...

Celtic: Alles was unehrlich, falsch und hinterhältig ist, geht einem natürlich heftig auf den Senkel. Gommez als Sprachrohr der Band bringt den Konsens dann zu Papier und auf die Bühne .

 

Mit dem Song „Das Haus“ bezieht Ihr Stellung zu Religion und geht mal völlig neue Wege. Da die meisten religionskritischen Songs die Kirche im Dorf lassen, sprich, es geht meist um die Religion vor Ort und nicht dort, wo sie ihren Ursprung hat. Was war der ausschlaggebende Punkt zum Song und wie steht Ihr allgemein zum Thema Religion?

Gommez: Die Idee zu diesem Text kam mir bei einer Doku in der Glotze, wie sich alle um die Geburtskirche kloppen. Keiner geht rein, aber alle prügeln sich darum, weil jeder den größten imaginären Kumpel hat. Da ich von Religionen allgemein nicht viel halte, ergab sich das so. Ich spreche keinem seinen Glauben ab, doch Politik, Geld und Religion sind stets die Zünder für Kriege, das sollte jeder Gläubige im Hinterkopf behalten.

Kneipe: Jeder kann an das Glauben, was er möchte... sollte aber anderen nicht dazu nötigen, sich einen Glauben anzuschliessen. Man sieht es immer wieder... Hass, Verfolgung, Hetze gegen andere Glaubensrichtungen. Lange geht das nicht mehr gut.

Celtic: Den Song gab es schon als ich in die Band einstieg . Mit Religion hab ich eigentlich nichts am Hut. Jeder soll mit seiner Fasson glücklich werden, solange er niemandem damit schadet. Leider sieht die Wirklichkeit auf dieser Welt ganz anders aus.

 

Auch gebt Ihr Euch gesellschaftskritisch. Was stört Euch am meisten an der Gesellschaft und wie könnte man die Gesellschaft zu einer besseren verändern?

Gommez: Die Gesellschaft zu verändern ist wohl ein Ding der Unmöglichkeit. Aber wenn alle etwas ehrlicher wären und sich ihre Meinung durch Erfahrungen und nicht mediale Lügen bilden würden, wären wir sicher ein Stück weiter. Im Grunde ist es mir aber egal, da es Träumerei ist. Zumal ich ohne diese Deppen auf der Straße textlich um ein Thema beschnitten wäre. :-D

Celtic: Da schließe ich mich Gommez' Meinung an.

 

Fernsehtrash ist nichts Neues, der Eurovision Songcontest verkommt zu einem Klamaukcontest, wo nur der gewinnt, der anders ist, um nicht zu diskriminieren. Dieter Bohlen verschont uns mit seiner eigenen Musik, läßt aber wenig talentierte Ärsche (und Titten) vorführen, um diese dann mit einem Song zu vermarkten. Können ist nicht gefragt, nur das Äußere zählt. Wie seht Ihr das Gebaren der Mainstreammusikindustrie und deren Auswüchse. Gibt es für Euch im Mainstream auch noch echte Künstler, oder ist alles nur noch Fassade?

Gommez: Einfach peinlich, womit manche tatsächlich Geld machen. Ich bin echt kein Goethe und frag mich bei dem ganzen Dreck aus dem Radio, warum ich teilweise über Monate an einem Text arbeite, wenn es auch lalala tut. Aber das sind wohl die Leute, die nichts zu sagen haben... Sicher gibt es auch im Mainstream echte Künstler. Z.B. bin ich großer Fan von Volbeat, obwohl das letzte radiotaugliche Album bis auf Ausnahmen echter Müll war. Aber Geschmäcker sind verschieden, jeder sieht das anders und das ist gut so.

Kneipe: Diese ganzen Shows fingen mal witzig an, Doch mittlerweile ist das nur noch peinlich und gestellt. Aber solange es genug Dumme gibt, die einschalten und da anrufen wird's den Müll wohl weiter geben.

Celtic: Ich geb nichts auf diese Castingshows. Das ist nur Geldmache für die Veranstalter . Die wenigen echten Talente bleiben auf der Strecke und machen am Ende mit einem Angestelltenvertrag bei RTL und Co Joghurtwerbung oder irgendwelche Spielshows. Ja für mich ist das alles nur Fassade .

 

“Kamikaze“ scheint ein Songtext aus der Wut geboren, stimmt das? Was hat es mit dem Song auf sich? Erzählt mal was zum Ursprung und den Hintergründen.

Gommez: Kam aus einer miesen Laune in Verbindung mit zuviel Jacky (wie viele unserer Texte) zustande. Stellte mir halt so vor, wie es wäre, wenn man in seiner Maschine in die ganze verlogene Gesellschaft reinknallt und in dem Moment hielt ich es für eine gute Idee. Einfach den Frust von der Seele schreiben, Selbst-Therapie :-)

Celtic: Gommez macht halt die Texte und wir liefern die Musik dazu .

 

Was hat es mit dem Lied „Zombie attack“ auf sich? Ein Klischeesong, eine Ode an die Zombiefilme, oder was soll der Song den Hörern sagen?

Gommez: Da ich begeisteter Horrorfan bin, war ein solcher Text nur logisch. Was man daraus entnehmen will, ist jedem selbst überlassen. Aber etwas Splatter hat noch nie geschadet und das Thema Horror wird bei uns auch weiterhin ein fester Bestandteil bleiben.

 

“Liebe den Tod“ scheint in eine ähnliche Kerbe zu schlagen, oder? Erzählt auch über das Stück mal was.

Gommez: Dieses Lied ist das Älteste der Bandgeschichte, da der Text in diversen Formen bereits in fast jeder Band verwendet wurde, wo ich mal mitwirkte. Es handelt über den Verlust der geliebten Frau durch Selbstmord, wie man sie zu Grabe trägt und kurz darauf wieder ausbuddelt und nach Hause bringt. Ohne Ficke ist es zu Hause eben zu langweilig. Nach diversen Spielen erwacht die Gute wieder und reisst dem Nekromantischen das Herz raus. Man sollte nicht jeden Geist wecken...

 

Auch habt Ihr etliche feuchtfröhliche Songs an Bord. Träume, oder dürft Ihr Euch auch heute noch öfter rumtreiben, ohne daß es zuhause Ärger gibt?

Gommez: Meist beruht es auf einem Mix aus Erfahrungen, etwas überspitzt formuliert und mit einer gesunden Portion Selbstironie und Augenzwinkern. Ich persönlich darf noch raus. Meine Frau vertraut mir und ich geb ihr keinen Grund zum Zweifeln.

Kneipe: Die Texte sind gut getroffen und passen teilweise echt gut ;) Und da zuhause momentan niemand wartet, gibt's auch keinen Ärger ;)

Celtic: Spaß muss sein und auch der wird musikalisch verarbeitet. Natürlich wird sich zuhause vertraut und jeder geht mal alleine mit seinen Kumpels oder eben Freundinnen feiern.

 

Was beeinflußt Euer Songwriting und wer kümmert sich um die Texte?

Gommez: Die Texte sind ausschließlich meine Baustelle. Jedoch lege ich sie der Band vor (zumindest bei sozialkritischen Sachen) und wenn ich hier und da mal zu derbe bin, werde ich gebremst. Das ist auch gut so. Einflüsse sind da Erfahrungen, Filme, was man auf der Straße sieht etc.

Kneipe: Zum letzten Album kannten wir witzigerweise nicht alle Texte und haben im Studio das erste Mal gehört, was er da von sich gibt. War auf jedenfall 'n witziger Abend ;)

 

Wenn Ihr einen Song wählen könntet, egal ob Subkultur oder Mainstream, welchen hättet Ihr dann gerne geschrieben und warum?

Gommez: „Stairway to heaven“ von Led Zeppelin fällt mir da spontan ein. Ist einfach ein geniales Stück!

Kneipe: „Ich mache, was ich will“ von den Onkelz, denn es gibt viel zu viele Menschen, die sich von anderen lenken lassen und nicht das das tun, was sie wollen oder wofür sie stehen.

Celtic: „Kick out the Jams“ von MC5 und „LA Woman“ von the Doors. Fantastische Songs voller Energie und Kraft, die Dich komplett einfangen .

 

Was können wir von Euch dieses Jahr noch erwarten?

Gommez: Gute Frage! Das wissen wir selbst noch nicht so richtig. In den letzten Wochen haben wir so gut wie gar nicht geprobt, oder zumindest nie komplett, weil Arbeit und Familie bei uns ganz klar Vorrang haben. Wir schauen nebenbei nach Auftritten und wenn wir proben, dann tüfteln wir an neuen Stücken für das nächste Album. Neue Shirts sind noch geplant... Jüngst kam die Bestätigung, daß wir am 01.11. beim Punk im Pieper Vol.II spielen. Ist halt immer etwas problematisch, da die Arbeit uns gerne einen Strich durch die Rechnung macht...

 

Eure Songs kann man auch ganz modern runterladen. Wie steht Ihr dieser Sache gegenüber, ist das auch die Zukunft für Untergrundbands, die sich doch eigentlich solchen Dingen versagen?

Gommez: Finde das an sich nicht verkehrt. Runterladen ist an der Tagesordung und wenn dafür gezahlt wird, ist es doch ok. Es gibt so viele Bands und Alben. Hätte man alles auf Silberling, bräuchte man ein extra Zimmer für CDs. Da mein PC in meiner Bar steht, bin ich auch mit digitalen Alben gut versorgt und spare auf Dauer viel Platz.

Kneipe: Leider läuft ja mittlerweile alles übers Internet. Und da der Download-Sektor ja immer größer wird, ist es auch für die Untergrundbands in Zukunft wichtig, den Download-Sektor zu füttern.

Celtic: Ist 'ne tolle Sache . Es ermöglicht uns als Band einfach mehr Leute zu erreichen. Heutzutage gilt ja die CD schon als veraltet. Ich hab noch LPs und MCs und genieße es jeden Tag. Ein 16 Jähriger lacht mich dafür aus. Also müssen wir dementsprechend eine passende Plattform bieten.

 

Euer Sänger hat sich scheinbar dem Alex-Kult verschrieben. Dieser ist der Jugend ja heute zunehmend fremd. Was bedeutet Clockwork Orange für Euch allgemein, was bedeutet Euch der Kult um Alex und seine Droogs heute und was sind Eure drei Lieblingslieder zum Thema Clockwork Orange und warum?

Gommez: Ein Spitzenfilm, den wohl jeder für sich anders deutet. Es ist wohl einfach ein Lebensgefühl, anders wüßte ich es grad' nicht zu beschreiben. Leider gibt es hierzulande ja kaum noch aktive Bands in der Optik und entsprechendem Hintergrund. Lieblingslieder wären sicherlich „Clockwork Skinhead“ (4 Skins), selbiges von Chaoskrieger und „Sex, Droogs & Rock'n'Roll“ (SpringtOifel). Die kann ich mir ewig anhören, ohne daß sie nerven, zumal man damit gewisse Erinnerungen verbindet. Musik ist auch immer eine Art Zeitmaschine, wenn man gewisse Ereignisse damit verbindet...

Kneipe: Der Film ist auf jeden Fall ein Klassiker und Gommez beschreibt es in den ersten Sätzen schon ganz gut. Aber in Sachen Songs muss ich mich nu' outen... da fallen mir grad spontan keine ein.

Celtic: Guter Film, den wohl jeder für sich selbst deuten muss. Direkte Lieblingssongs hab ich aber keine.

 

So, nu' is' Schluß. Wollt Ihr noch was loswerden?

Gommez: Besten Dank für Interview und Interesse an uns! Geht auf Konzerte, habt Spaß und laßt mal die Politik zu Hause, sie hat noch nie etwas Gutes bewirkt! Freibier & geile Weiber wollen wir doch alle! :-)

Besucht uns unter www.cryptceepers.de oder im Fressenheft (dort ist es immer etwas aktueller): https://www.facebook.com/CryptCeepers.Bandseite (offizielle Bandseite) bzw. https://www.facebook.com/cryptceepers

Und schaut mal bei Klabautermann Records rein!

Dir noch viel Erfolg mit deinem Zine, Cheers!

Kneipe: Vielen Dank für das Interview!

Hoffe, man sieht sich mal auf 'nem Konzert.

Gruß

Kneipe

 

Die Jungs werkeln derzeit an neuen Songs für eine Single. Die neuen Sachen sollen „besser, härter und lustiger“ werden. Ins Studio soll es im Frühjahr 2015 gehen. -Meik

 

Home | In eigener Sache | MF-Ausgaben | MF 29 | MF 28 | MF 27 | Split MF/MD Punx | Interviews | Biografien | Stories und Kolumnen | News... | Gästebuch | Impressum |