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Love of Oi!-Fanzine

Interview: Meik

Das Interview kam bereits kurz nach Andis Debütnummer zustande, paßte aber einfach nicht mehr ins letzte Heft, sodaß es nun in der #29 zu finden ist. Da Andi nicht gerade untätig ist, ist das Interview längst überholt und es gibt bereits Nummer 2 und das Splitheft mit dem Paranoia zu erstehen.

 

Moin Andi, Du bist ja nun noch ein „Youngster“ in der Zinewelt. So stelle Dich doch erstmal vor und sage den Lesern, wer Du bist und wo Du herkommst.

Grüß Dich Meik. Ich sitz jetzt hier, hab ein eiskaltes Krombacher Pils zur Hand und hoffe ich bin gewappnet für das Interview. Ist immerhin das erste Mal. Meinen Namen erwähntest Du bereits und ich bin ¼ Jahrhundert alt. Ich stamme und bin wohnhaft in Hessen, genauer gesagt im Drei-Länder-Eck. Ich bin gelernter Metzger und bin bestens in der Lage Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen, Puten und Hasen zu schlachten, zu zerlegen und anschließend die beste Wurst der Welt daraus zu machen.

An meinen Händen klebt Blut, viel Blut... Haha! Ich bin vergeben (Sorry Mädels!) an eine hübsche Herzdame, die ebenso in der Szene steckt, wie ich. Vielleicht nicht ganz so tief, aber sie steckt. Denn Hauptsache man steckt... Stimmt's Männer? ;-) Ansonsten treibe ich mich gern auf Konzerten und in Wirtshäusern rum, treibe den üblichen Schabernack und bin seit kurzem der Herausgeber und Schreiberling der wunderschönen Gazette Love of Oi!.

 

Wann reifte in Dir die Idee, ein Zine zu machen und warum?

Ich lese eigentlich schon immer alles, was mir in die Finger kommt, das war selbst in jungen Jahren so. Ich besitze so ziemlich alles, was ich in den Jahren ergattern konnte, was irgendwie irgendwas mit Skinhead zu tun hat und da besonders Fanzines. Ich bin im Übrigen der Meinung, daß Zines für Außenstehende und Leute, die sich informieren wollen, der beste Weg ist, was über die Szene zu erfahren. Tausend Mal besser als jedes Buch, jede Doku und jeden Internetquatsch, die von irgendwelchen verkappten Journalisten oder Möchtegern-Allwissenden gemacht sind. Denn darin kommt ungeschönt die Szene zu Wort und es werden meist auch sämtliche Dinge, die relevant für die Subkultur sind, angesprochen. Ich hab schon sehr lange, hin und wieder mal, den Gedanken gehabt, was eigenes in dieser Richtung auf die Beine zustellen, dachte aber auch immer automatisch, daß ich das eh nicht hinbekomme und mir die nötigen Mittel & Kenntnisse fehlen. Ich bin ein ziemlich musikfixierter Typ und mich reizte es auch schon immer, mehr über die Leute zu erfahren, dessen Musik ich höre, ebenso Hintergrundinfos zu bestimmten Liedern etc. Auch schreibe ich allgemein gern und ein Hobby im Allgemeinen hatte ich auch keins. Klar, der typische Grund, daß man der Szene was zurück geben will, weil man eben so verbunden ist, ist bei mir auch gegeben, aber bei mir geht es auch sehr um den Spaß bei der ganzen Geschichte.

 

Ich habe ja quasi den Werdegang Deines Zines verfolgen können und war erstaunt, wie schnell Du es von dem Hinweis an mich, zu einem ganzen Heft gebracht hast! Nu ma Butter bei de Fische. Wie lange hat es wirklich gedauert, bis das ganze Zine komplett war und gedruckt werden konnte?

Mein weiblicher Gegenpart würde sagen, zu lang. Ich hatte Dich ja eines Morgens, während dem Kaffee vor der Frühschicht angesprochen und einfach mal gefragt, wie das so läuft mit dem Fanzine machen. Fragen kostet ja nichts und du standest mir ja immer Rede und Antwort und so auch bezüglich diesem Thema. Als dann die Antwort kam, dachte ich mir einfach, ich probier's mal. Hab dann noch während der Schaffe drüber nachgedacht, wie es werden soll und auch direkt an welche Bands ich gute und keine Standardfragen stellen könnte. Die Sache nahm dann seinen Lauf und ich glaube so 1 ½ Monate, oder so, später war ich dann auch schon mit dem Grundgerüst fertig. Bis zum Druck verging dann auch nicht mehr wirklich viel Zeit... Dies heißt aber weder, daß ich mir keine Mühe gegeben, oder nur Scheiße fabriziert hab, sondern daß ich fast jeden Abend vorm Laptop saß. Ich will mich ungern selbst beweihräuchern, aber es hat sich gelohnt und wenn ich das sagen darf, find' ich mein Debüt besser, als so manch andere #1... :-)

 

Hattest Du vorher schon einen Plan, wie das Ganze funktioniert, oder hast Du Dich einfach daran versucht und es klappte auf Anhieb mit allem?

Ich hatte null Plan und kannte mich nicht mal mit dem PC-Programm aus. War also alles komplettes Neuland. Ich bin zwar gern auch mal ein Idiot und besitze hin und wieder auch ein Dummschwätzer & Schlecht-benehmen-Talent, jedoch halt ich mich selbst für ein cleveres Kerlchen und so kam ich auch recht schnell mit dem ganzen Kram zurecht. Klar, hab bisher nur die #1 draußen und es ist natürlich noch Luft nach oben, aber ich denke, ich werde mich steigern und alles wird gut/besser.

 

Kanntest Du im Vorfeld schon Probleme, die auf Dich zukommen? Welche Hürden kamen dann wirklich auf Dich zu und wo liegt die größte Schwierigkeit am Zinemachen?

Noch kamen keine großen Hürden auf mich zu, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Größte Schwierigkeit? Hmm... Ich denke einfach, Dinge zu Papier zu bringen, die interessieren oder zumindest Spaß machen, zu lesen. Man will ja auch keinen langweiligen Einheitsbrei auf die geneigten Leser los lassen...

 

Der Name erinnert mich (und sicher nicht nur mich...) an eine Faustrecht-Platte (oh ich höre das Gemecker jetzt schon, aber Oi! heißt numal auch, das Maul aufzumachen...). Weist Du das strikt von Dir, oder gestehst Du?!? Wie kam der Name nun wirklich zustande?

Ganz genau! Oi! bedeutet eben nicht nur Party machen und sein Maul halten. Auf den Tisch hauen ist die Devise. :-) Es gibt da 'ne Platte von Section 5 mit dem schönen Titel „For the Love of Oi!“ und mir liegt es am Herzen, daß Oi!-Musik das bleibt, was sie war/ist und nicht zum weichgespülten, lieben und netten Party- oder Kuschelrock mit angeblichen Skinhead-Idealen verkommt! Hab irgendwo mal gehört, daß es 'ne Skinheadband aus dem Allgäu gibt, die ihr Album ebenso nannten, und auf diesem ausnahmslos klassische Skinheadhymnen zu finden sind. Info kann auch falsch sein... ;-)

 

Da ich das Zine druck(t)e, habe ich ja ganz gut einen Überblick über die Auflage und kann Dich dazu nur beglückwünschen! Hättest Du mit einer derartigen Nachfrage gerechnet und bist Du zufrieden mit dem Absatz des Heftes?

Gerechnet hab ich mit gar nichts, sondern hab es einfach auf mich zu kommen lassen. Zufrieden bin ich definitiv, da ich weiß, daß die Leute von einer Debütnummer nicht viel erwarten und daher die Kauflust natürlich deutlich geringer ist, als bei altbewährten Zines, wo man weiß, daß es fetzt...

 

Wie bringst Du die Hefte an den Mann und die Frau, vertickst Du alles selber, oder gehen einige Hefte auch an Versände und an welche? Wie werden Leute und Versände auf Dich aufmerksam?

Sowohl, als auch. Zines gingen an United Kids, KB-Records, Bandworm Records, Steeltown Records, Dim Records und Street Justice Records. Natürlich auch direkt über mich und die passende Facebookseite... Wozu ich mal erwähnen muss, daß ich innerhalb von 3 Tagen über 200 „Gefällt mir-Angaben“ hatte und davon genau 6 Leute auch auch ein Heft bestellt haben. Unfassbar! Unter den nächsten ca. 50 befanden sich dann aber einige mehr...

 

Hast Du ein festes Konzept für das Heft, oder entscheidest Du aus dem Bauch heraus? Was soll immer im Heft sein und was wird man bei Dir nicht finden und warum?

Ich hab ein Konzept und das heißt Skinhead. Alles, was irgendwie was damit zu tun hat, kann früher oder später Einzug halten. Ebenso werde ich weiterhin versuchen, dem Namen gerecht zu werden und sowieso landen nur Dinge darin, die mich jucken oder interessieren. Ich bin der Auffassung, daß Zines schon eine persönliche Note haben sollten und dadurch werden sie ja quasi individuell. Seine eigene Meinung nicht nur bei Reviews zu sagen, halte ich ebenfalls für sehr wichtig, entweder die Leute machen sich 'nen Kopf über das Geschriebene oder nicht. Die interviewten Bands z.B. lassen natürlich ihren Gedanken freien Lauf und ebenso sollte dies der Schreiber des Zines auch tun. Wem das dann zusagt oder eben nicht, steht dann woanders...

 

Wonach entscheidest Du, welche Bands mit Interviews im Heft vertreten sein sollen?

Das entscheide ich nach 3 Kriterien. 1. Wie gut komme ich selbst mit der jeweiligen Band und deren Texten klar. 2. Ob sie bei älteren Interviews aufschlussreich und vernünftig geantwortet haben (Niemand braucht Antworten, die kürzer als die Fragen sind) und 3. Natürlich, ob sie grundsätzlich ins Heftchen passen.

 

Gab es bereits Schwierigkeiten, an Interviews zu kommen, oder andere Dinge, die Dich nervten, bis ein Interview zustande kam und was war das?

Diese Frage musste mir nochmal stellen, wenn ich ein paar mehr Ausgaben veröffentlicht hab'. Bis jetzt gab's da keine Probleme und jeder Interviewpartner brauchte, trotz aussagekräftigen Antworten, keine Ewigkeit. Aber wie man so hört, gibt's auch das und bestimmt bleibe ich davon nicht immer verschont... Ich bin aber allgemein guter Dinge!

 

Bis auf ein paar Kinderkrankheiten ist das Debüt sehr gelungen und neben typischen Zinesachen gibt es auch Kolumnen, wo Du Dich zu Wort meldest, um Auswüchse der Szene anzuprangern. Wie kamst Du auf die Idee? Wie kam das an? Dürfen wir mehr in der Richtung erwarten?

Erstmal danke für die Blumen! Das war eigentlich gar keine richtige Absicht. Ich saß nur ein paar Mal gelangweilt auf Schaffe in der Pause, hatte mein Futter schon verspeist und schrieb einfach ein paar Gedanken auf. So ungefähr kann man sich das vorstellen. Als ich dann daheim war, zog ich alles auf den Rechner und gut war's erst mal. Wusste da noch nicht mal, ob ich das unterbringen werde. Als es dann später daran ging, mein gesammeltes Material zusammen zustellen, kamen auch diese Schriften wieder zu Tage und ich las sie noch einmal durch. Da ich das Geschriebene gut fand und persönliche Gedankengänge sowieso in irgendeiner Form ins Zine sollten, hab' ich sie so gelassen, wie sie waren und mit untergebracht. Darauf kamen ausschließlich positive Rückmeldungen und daher ist es natürlich nicht ausgeschlossen, daß ich weitere „Gedanken-Freilauf-Aufsätze“ schreibe...

 

Wo wir gerade bei'm Thema sind. Was kotzt Dich in der Szene besonders an und warum?

Puhh, eine oft gestellte Frage und ich will nicht das Übliche antworten, daher gar nicht so einfach. Ich bin kein Kind der 80er und auch kein Kind der 90er, aber wenn man das, was man so liest und erzählt bekommt, vergleicht mit dem, was heute in weiten Teilen der Szene vor sich geht und wie die Leute drauf sind, so liegen da doch Welten zwischen. Ist das die richtige Entwicklung? Was bedeutet Szene? Bestimmt nicht das zu fressen, was von außerhalb kommt, sondern selber denken und handeln! Es ist sehr wichtig, daß wir weiterhin unser Ding machen und nur unser Ding! Können wir denn nicht allein stehen? Brauchen wir all den anderen Mist? Müssen wir uns einem komplett anderem Menschenschlag öffnen? Klasse statt Masse! Bleiben wir unter uns und lassen uns nicht beeinflussen, wird auch nichts verfälscht. Absolut nichts gegen Freundschaften gegenüber Anhängern anderer Szenen, aber wenn diese dann innerlich wie äußerlich vermischt werden, hört der Spaß auf. Mir ist z.B jeder ehrliche Punk lieber, als irgend 'ne Skinhead-Punk-Metal-Normalo-Mischung. Entscheidet Euch, seid Skinhead... ganz oder gar nicht!

 

Du arbeitest fleißig an der #2. Willst Du uns dazu schon was aus dem Inhalt verraten, oder gar sagen, wann es so weit ist?

Ich versuch natürlich die erste Nummer inhaltlich zu toppen und ich schreibe aktuell an privaten Geschichten. Wird sich zeigen, ob ich diese als so interessant empfinde, daß sie auch unters Volk kommen. Time will tell... :-) Ich hab mir vorgenommen, daß dieses Jahr noch über die Bühne zu bringen und bin auch optimistisch. Wenn es dann doch Anfang 2015 wird, fange ich auch nicht an zu heulen. Welche Interviewpartner es diesmal sind, wird nicht verraten, jedoch finde ich, daß diesmal mehr bissige, kritische und auch politische Fragen dabei sind. Wenn diese denn beantwortet werden...

 

Welche Zines liest Du persönlich am liebsten und warum (sage jetzt nichts falsches...)?

Wie gesagt, eigentlich alles. Das Stolz & Stil selbstverständlich, jedoch bedauere ich, daß es so unglaublich selten erscheint. Das Magdeburg Punx und Feindkontakt finde ich ebenfalls sehr ansprechend und das Heroin, was wohl nicht mehr erscheinen soll, brachte mich desöfteren zum Schmunzeln... Das MF-Zine ist auch ein fester Bestandteil und nicht weg zudenken, freue ich mich immer wie eh und je, wenn 'ne neue Ausgabe angekündigt wird...

 

Was muß ein Zine für Dich haben, welche Rubriken liest Du am liebsten und was liest Du gar nicht?

Ich lese in erster Linie alles. Gibt nichts, was ich von vornherein ausschließe. Manche Dinge nicht ganz so genau, teils überfliegend und diese Dinge bleiben dann auch nicht ganz so hängen. Sind z.B. Interviews von manchen internationalen Bands, von denen ich nie was gehört hab' und die mich prinzipiell nicht sonderlich jucken. Was ich besonders gern lese, sind natürlich Interviews mit Musikern, die ich täglich höre und auch Kolumnen, weil mich Einstellungen und Ansichten anderer ganz einfach interessieren. Man lernt bekanntlich nie aus!

 

Das Jahr geht zu Ende und nun gibt es überall wieder die Frage nach den Hits und Flops des Jahres. Nenne uns mal Deine Top 5 in Sachen Hits des Jahres und was waren die schlechtesten Platten des Jahres?

Schlechte Platten höre und kaufe ich nicht, mit Ausnahme solcher, wo ich anhand der Vorgängerplatte erwarte, daß sie gut sind, was sie dann aber doch nicht sind. Ich weiß gar nicht mehr so genau, wann welche Scheibe das Licht der Welt erblickte und man hat ja meist nur die auf'm Schirm, welche noch nicht ganz so alt sind... bezogen auf das Jahr. Gute Frage, spontan fallen mir da Rien Ne Vas Plus mit „Arbeitersohn“ und Evil Conduct mit „Today's Rebellion“ ein. Im Allgemeinen höre ich meist weniger aktuelle Sachen und z.B. die ersten beiden Schusterjungs-Alben eignen sich immer hervorragend für Feiern...

 

Wie kommt man an Dein Zine? Nenne uns mal eine Kontaktadresse oder fb-Seite. Und nun hast Du noch Zeit für abschließende Worte, Beschimpfungen, oder Weihnachtsgrüße etc. …

Am besten 'ne Email an Love-of-Oi@gmx.de oder bei Facebook unter „Love of Oi Skinheadzine“..., denn bei mir persönlich bestellen passt mir immer noch am besten. Ich will nochmal an alle Leute, die keinen Einblick haben, betonen, wie viel Mühe, Zeit und Nerven in so einem Zine stecken. Wisst dies zu schätzen, denn wir schreiben für Euch, für die Szene. Wir machen es aus Leidenschaft, verdienen dabei so gut wie gar nichts und für 1-2 Bier in der Pinte weniger, habt Ihr was vernünftiges in den Händen. Ansonsten bleibt sauber, benutzt euren Kopf und werdet nicht Teil einer stumpfen Masse... Denn das passiert oft schneller, als man denkt. Ebenso ein deftiges „Fuck you“ an all die Typen, die Kohle haben für die teuersten Designer-'Skinheadklamotten', aber angeblich nix über haben für z.B. CDs und Zines. Könnte man Fanzines kostenlos downloaden, würde es mit Sicherheit keine mehr geben...

Vielen Dank an Dich, daß du mir die Möglichkeit gibst, mich und mein Zine ein wenig vorzustellen und auch allgemein für das Interview. Grüße richte ich an alle Freunde & Bekannte, ebenso an meine bessere Hälfte! Oi!

Andi

 

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