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Magdeburg Punx-Fanzine

Interview: Meik

An dieser Stelle interviewen wir mal den Jan vom MD Punx Fanzine, um die andere Hälfte des Heftes mal besser kennenzulernen, das gleiche machte der Jan dann auch mit mir und das lest Ihr dann in der anderen Hälfte des Heftes...

 

Moin Jan, Dein Zine existiert ja nun auch schon einige Jährchen. Wie und wann kamst Du auf die Idee, ein Fanzine zu schreiben und warum ausgerechnet ein Printzine in Zeiten von Onlinezines?

Angefangen hatte bei mir alles mit meiner immer größer werdenden Leidenschaft Printzines zu lesen und zu sammeln. Gerne verschlang ich in jüngeren Jahren die Plastic Bomb-Ausgaben, obwohl für mich das zu der Zeit eher Magazine waren und ich die Bedeutung Fanzine noch gar nicht richtig kannte. Das kam dann erst später, als ich beim Kumpel diverse Heftchen rumliegen sehen hab und die erste Ausgabe des Union Jack-Fanzines mein Eigen nennen durfte. Von da an ging dann alles ziemlich schnell. Ich lernte Felix (den Macher vom Union Jack-Zine) kennen und verfasste ein paar Konzertberichte für ihn. Ab da war es nur noch eine Frage der Zeit, bis in mir der Drang nach einem eigenen Heft nicht mehr zu bändigen war. Außerdem hatte ich in diesen Tagen noch genug Zeit für solch ein Projekt. Im November 2008 erblickte dann meine Nummer 1 das Licht der Welt und Papa war verdammt stolz auf den kleinen Zögling, der sich Magdeburg Punx Fanzine schimpfte.

 

Was hat es mit dem Namen auf sich, schließlich treibst Du Dich ja eigentlich mehr in der Skinhead- und Oi!-Szene denn in der Punkszene rum, wenn Schnittmengen auch da sind?

Bei der Frage muss ich etwas zurück zu meinem Urschleim gehen... Ich bin als Jugendlicher in die linke Punk-Bewegung reingerutscht und bekam dieses Skinhead-Ding erst mal nur am Rande mit. Irgendwann lernte ich den Micha hier in Magdeburg kennen und dieser Betrieb die Internetplattform „Magdeburg Punx“. Auf dieser gab es alles Mögliche an Interviews, Fotos Reviews und Konzertberichte mit und über Punk, Oi! und teilweise sogar „politisch unkorrekten“ Skinheadrock, wie man heute so schön sagt. Also wie ein Internet-Zine also. Wir wurden sehr gute Freunde und schlussendlich drückte er mir das erste Album von Cotzraiz („Heil Cotzraiz“) in die Hand und sagte: „Kannst ja mal 'nen Review drüber schreiben!“ Und das tat ich dann... ich denke auch, dass dies die Grundsteinlegung für meine Schreiberleidenschaft war. Leider gab es dann die Seite irgendwann nicht mehr, doch der unbeliebte Ruf von Micha und seinem „Magdeburg Punx-Webzine“ blieb und war dann letztendlich die Namensgebung für mein Heft. Ich wollte den Namen am Leben erhalten und gleichzeitig mit seiner Vorgeschichte provozieren. Jedoch gestaltete ich von da an den Inhalt selbst und nach meinen Vorstellungen.

Daß in dem Heft immer mehr Skinhead-relevante Dinge zu finden sind und ich mich persönlich auch immer mehr in diese Richtung bewege, liegt einfach an meiner persönlichen Entwicklung und der Entwicklung innerhalb meines Freundeskreises. Wir fingen hier (fast) alle als Punks an und hörten querbeet alles an Musik, was uns in die Finger kam. Damals unterschieden wir da auch noch nicht wirklich. Hauptsache die Mucke war laut, rotzig und nicht wie die Musik, die andere in unserem Alter hörten. Ich habe auch Jahre später erst manche Lieder zu den entsprechenden Bands zuordnen können, da auf 'nem Kassettenrecorder einfach mal keine „Playlist“ angezeigt wird... Schweinerei sowas!!! Jedenfalls waren damals schon darunter jede Menge Skinhead-Bands. Weshalb ich dieser Musik also noch nie abgeneigt war. Im Laufe der Zeit wurde mein Interesse an den Bands und an der Musik immer größer und darum befindet sich auch so viel Inhalt dazu im Heft. Trotzdem bleibe ich dem Punkrock weiterhin treu, auch wenn ich mich nicht mehr allzu oft auf “reinen“ Punkkonzerten aufhalte. Aber wie gesagt, für mein Verständnis und so wie ich es seit Anbeginn hier in meiner Region erlebt habe, gab es da noch nie eine große Trennung. Auch wenn das viele Korinthenkacker anders sehen. Punk bedeutet für mich die Freiheit das zu tun, worauf man Lust hat, ohne dabei andere einzuschränken. Darum bin ich so frei und werde wohl immer meinen gemischten Inhalt beibehalten und mich nicht selber in irgendwelche „So muss ich sein als Punk“- bzw. „So muss ich sein als Skinhead“-Schubladen reindrücken lassen, denn dafür bin ich einfach nicht gemacht.

 

Hattest Du irgendwelche Unterstützung zu Beginn, oder konntest Du Dir Tips und Kniffe von Kollegen holen, oder versuchtest Du, alles selber hin zu bekommen?

Dank meines guten Kontaktes zu Felix (UJ) musste ich nicht ganz ohne Schwimmflügel ins kalte Wasser springen. Ich hab mir oft Rat bei ihm geholt und er war auch so gnädig und gewährte mir stets Audienz. So bekam ich einen ersten Einblick in Bezug aufs Layout und was man preislich alles mit beachten muss. Doch trotz dieser Starthilfe gab es noch vieles, wo ich mich erst einmal rein fuchsen musste. Aber mit ein bissel Kreativität ging es dann doch alles recht schnell und die paar Fehler die man Anfangs (oder auch jetzt) noch machte, wurden dann später einfach bereinigt.

 

Was war die größte Hürde mit der Nummer 1?

Ganz klar die Kohle! So'n Heft muss ja auch vorfinanziert werden und als Schüler, welcher ich zu der Zeit war, hat man nicht wirklich was auf der hohen Kante liegen. Ich war mir Anfangs auch gar nicht im Bilde, dass die Druckkosten für so ein schwarz/weiß Toilettenpapierersatz doch gar nicht so niedrig sind. Also hieß es an Muttis Rockzipfel ziehen und einen Vorschuss erbetteln, den ich dann mit dem Verkauf nach und nach abbezahlen musste. Wo ich gerade überlege, gab´s die Situation auch bei Ausgabe #2 und #3, hehe...

Was nicht so nett ist, sind die ganzen ärgerlichen Begleiterscheinungen, wie nicht bezahlte Rechnungen, unbeantwortete Interviews, falsche Versprechungen oder die Tatsache, dass Leute beim Konzert dir kein Heft abkaufen wollen, nicht weil sie es nicht haben wollen... nein, sondern weil sie Angst haben ihren abendlichen Suff nicht weiter finanzieren zu können. Da wird lieber sämtliches Geld übern Tresen geschmissen und sich die Birne weggesoffen als 2€ in harte Arbeit zu investieren... von der man auch am nächsten Tag noch mehr hat als Bierschiss!!!

 

War die Motivation für das Zine durchweg da, oder gab es auch mal Zeiten, wo Du Dich fragtest, warum Du Dir überhaupt die Mühe machst?

Die Motivation war bei den ersten drei Heften auf einen sehr hohen Level, weil alles neu und aufregend war. Ich bekam noch regelmäßig Reaktionen auf meine Arbeit. Von Ausgabe zu Ausgabe fehlten dann immer mehr die Kritiken, besonders von Fanzine-“Kollegen“. Von Leserbriefen konnte ich zumeist nur träumen. Die, die ich bekommen habe, kann ich an einer Hand abzählen, aber dennoch bin ich den Leuten dankbar, die sich die Mühe gemacht haben und mir ein paar selbstgeschriebene Zeilen zukommen ließen. Ob die nun positiv oder negativ waren, jedes gerechtfertigtes Lob bzw. jeder konstruktive Kritikpunkt ist mir wichtig.

Was ich damit aber sagen will, mir fehlt zurzeit die Motivation ungemein. Wenn man mich gerade fragen würde, ob das Heft nun mehr Hobby oder schon Arbeit ist, würde ich ganz klar Arbeit sagen. Aufhören kommt aber für mich auch nicht in Frage, da es schon so an ansprechenden Lesenachschub in unserem Land fehlt.

 

Gleich in der #2 interviewtest Du den Pornodarsteller Conny Dachs. Wie kam es dazu und welchen Hintergrund hattest Du mit dem Interview im Kopf?

In einer meiner schlaflosen Nächte zappte ich mal wieder durchs Fernsehprogramm und stieß auf einen Bericht über und mit Conny. Jetzt war ich kein großer Fan von ihm, aber da die guten alten Gina Wild Pornos zu meinen ersten Filmchen dieser Art gehörten und man ihn da des Öfteren die Gina auch pimpern gesehen hat, war doch ein gewisser Wissensdurst da. Und welcher Jugendliche träumt denn nicht davon, Pornostar zu sein und sämtliche Mädels die einen vor die Flinte laufen aufs Korn zu nehmen? Jedenfalls erzählte er in dieser Sendung, dass er in seiner Jugend mal in einer Punkband gespielt hatte. Sofort blitze mir die Idee durchs Gehirn ihn über diese Zeit mal etwas genauer auszufragen. Außerdem hatte ich zu dem Zeitpunkt auch schon den Versuch gestartet, den amerikanischen Punk-Porno Darsteller/Regisseur von PUNX PRODUCTIONS zu interviewen, der jedoch nie auf meine Fragen antwortete. Conny konnte ich also zu meinen Lieblingssachen befragen... Punk und Porno!

 

Wie kam der Kontakt zustande und wie war der Kontakt allgemein?

Den Kontakt zu Conny hatte ich damals über MySpace gesucht und gefunden. Nachdem er mich dann in seiner „Freundesliste“ aufgenommen hatte, schrieb ich ihm von meiner Idee und gab ihm ein paar Infos zum Heft. Er hatte überhaupt kein Problem damit und war recht begeistert. Ich wollte ihm die Fragen dann, wie üblich, per Mail schicken, doch gab er mir seine Telefonnummer. Nach dem ich unseren Anrufbeantworter dann überprüft und festgestellt hatte, dass dieser auch Telefonate aufzeichnen konnte ging der ganze Spaß los... Ich war natürlich etwas aufgeregt, wie man es sich vorstellen kann. Wann interviewt man schon mal den meist gebuchtesten Pornostar Europas? Das Gespräch war dann recht locker und er kam natürlich auch mit ein paar lustigen Anekdoten von seinen Drehs, die allerdings nicht mit im Interview auftauchen, da ich danach die Aufzeichnung gestoppt hatte. Leider... wenn ich so im Nachhinein drüber nachdenke.

Während des Gesprächs kam in mir aber dennoch das Gefühl auf, dass der gute Conny nie wirklich durch und durch Punker gewesen ist bzw. die Weltanschauung dahinter in irgend einer Art und Weise verinnerlicht hat... Aber stolz war ich auf das Interview so oder so.

 

Hat er sich mal zum Heft geäußert?

Leider nicht! Ich hatte ihm zwei Exemplare zukommen lassen, aber danach war bei uns leider Funkstille. Ich hatte auch nicht noch einmal nachgefragt, wenn ich mich recht entsinne. Denke aber, dass er mit dem restlichen Inhalt nicht viel anfangen konnte.

 

Sind irgendwann weitere Interviews mit Menschen jenseits der (Musik)Szene geplant und schwebt Dir da schon was vor?

In Planung habe ich in dieser Hinsicht im Moment nichts. Ich such ehrlich gesagt auch nicht nach Szene-Fremden Menschen, die nichts Unterstützungsmäßiges für diese tun. Es sollte irgendwie schon immer ein Zusammenhang zur Punk- oder Skinheadkultur haben. Ich finde es dann halt immer interessant, wenn sich die Subkultur mit besonderen Lebensumständen vereint. So wie dieser Lehrer, der als Punk in irgendeiner Schule hier in Deutschland unterrichtet. Da hatte ich schon einmal über ein Interview nachgedacht, es dann aber wieder verworfen. Aber sollte ich beispielsweise herausfinden, dass Angela Merkel ein Anarchie-Zeichen auf dem Arsch tätowiert hat, werde ich bei ihrer nächsten Pressekonferenz in der ersten Reihe stehen.

 

Wie gehst Du überhaupt an Interviews ran? Schaust Du, was in die Ausgabe paßt, läßt Du Dich von anderen verleiten, oder schaust Du einfach, daß Du die Bands interviewen kannst, die Dich gerade besonders interessieren?

Also, es gibt so ein paar Bands, die seit Anfang an auf meiner Interview-Liste stehen, weil sie mich nicht erst seit gestern musikalisch begleiten und ich auch meistens irgendwas Besonderes mit ihrer Musik verbinde. Und von dieser Liste konnte ich auch schon einige streichen. Dann kommen noch Bands hinzu, auf die man eher zufällig stößt. Das können neue wie alte Bands sein, obwohl ich dann schon lieber neue Bands fördere. Gerne suche ich mir auch Bands aus, die noch nicht in jedem Heft drin waren und ihre Antworten tausendmal neu umgeschrieben haben. Falls dies doch der Fall sein sollte, versuche ich mir alle vorangegangenen Interviews durchzulesen und wenn´s geht, völlig andere Fragen zu stellen bzw. sogar auf ältere Antworten einzugehen. Sowas nenn ich dann Recherchearbeiten.

Es ist aber auch schon vorgekommen, dass mich Bands angeschrieben und gefragt haben, ob man sie denn nicht irgendwie mit ins Heft nehmen könnte. Dann hör und schau ich mir die Band etwas genauer an und entweder wecken sie mein Interesse, oder eben nicht und dann gibt’s auch kein Interview. Aber das mich jemand anspricht kommt auch nur ganz selten vor.

Ansonsten kommt es einfach auf die Musik an, ob diese mir gefällt. Ist das der Fall und schwirren mir schon ein paar interessante Fragen im Kopf rum, dann trete ich mit der Band in Kontakt und erkundige mich erst mal, ob sie überhaupt an einem Interview Interesse haben. Nicht, dass ich erst Arbeit investiere und sie gar nicht dafür bereit sind. Schließlich schüttele ich mir die Fragen ja nicht einfach so aus dem Ärmel, da braucht es schon ein zwei Wochen bis ich einen Fragen-Katalog fertig habe.

 

Machst Du Dir vorab Gedanken über den Inhalt, oder ergibt sich das einfach?

Ich bin so ein Typ, der erst eins fertig machen muss, bevor er das nächste anfängt und so hält es sich auch mit meinen Ausgaben. Wenn ich eine Nummer fertig hab, starte ich komplett neu und von Null mit der Nächsten. Dabei stell ich dann meistens eine Liste auf mit Bands, die ich gerne mal ausquetschen würde und schreibe die entsprechenden dann auch an. Aber auch hier passiert es, dass ich Interview für Interview nacheinander und einzeln gestalte und nicht an fünf verschiedenen gleichzeitig schreibe. Ich kann mich dann einfach besser auf die jeweilige Band konzentrieren und versuche, für jede die bestmöglichsten und interessantesten Fragen zu erstellen. Konzertberichte und Reviews ergeben sich natürlich ungeplant bei der Erstellung eines Heftes. Ansonsten gibt es keinen richtigen Fahrplan fürs Heft. Ich versuche jedoch, den Inhalt sehr vielfältig zu gestalten, damit keine Langeweile beim Lesen aufkommt.

 

Sind besondere Sachen in den Heften für Dich wichtig, oder reicht es Dir, die Standards (Intis, Reviews, Konzertberichte) zu erfüllen?

Im Grunde genommen finde ich die Standards wie Interview, Konzertberichte und Reviews absolut ausreichend, weil sie eine gesunde Basis für Fanzines darstellen. Dennoch gefällt es mir auch, wenn jemand mal mit etwas Neuem wie lustige Tests, selbstgemachte Comics, interessante Geschichten, Biographien, Gratis-CD-Beilagen oder sonstigem kommt. Je kreativer desto interessanter finde ich ein Fanzine. Schön ist es auch, wenn nicht alles bitterernst verfasst ist und eine gewisse Komik im Heft vertreten ist. Gemeckert wird meistens schon viel zu oft.

 

Was ist Dir in anderen Zines wichtig und was liest Du gar nicht?

Am allerwichtigsten sind mir interessant geführte Interviews. Ich könnte kotzen, wenn jemand nur mit Standartfragen kommt. Genauso langweilig sind aber auch Standartantworten hehe... Aber mal im Ernst, durch ein Interview hat man die beste Möglichkeit, eine Band kennenzulernen und Einsicht in ihre Ansichten zu bestimmten Dingen zu bekommen. Daneben finde ich auch gute geschriebene Konzertberichte förderlich. Am liebsten lese ich natürlich die, wo ich selber auch zugegen gewesen war. Reviews lese ich ebenso mit Neugier, besonders wenn ich die CD/LP oder das Fanzine selber zu Hause habe und vergleichen kann wie sie andere finden. Oder natürlich auch wenn es ein Review über eine befreundete Band geschrieben wurde.

Zusammengefasst kann ich aber eigentlich sagen, das ich alles lese, was in einem Heft drin ist. Man weiß ja nie, was man verpassen könnte.

 

Am Abschließ am Abschluß nun noch ein paar Schlußworte von Dir.

Ach ich weiß, ich könnte hier mal wieder DANKE sagen, zu den Leuten die in irgendeiner Form mal etwas zu meinem Schmutzheft beigesteuert haben. Aber auf jeden Fall gilt dieser Dank auch den Leuten, welche immer noch Fanzines kaufen und diese damit unterstützen. Ohne euch würden auch die letzten Fanzine-Macher ihre Arbeit einstellen.

Ein dicker Gruß geht an meine Magdeburger-Bande!!! Es ist immer schön zu sehen, dass hier fast jeder in irgendeiner Art und Weise aktiv ist und somit unsere lokale Szene am Leben bleibt.

PffP – Punkrock forever, forever Punkrock!

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