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Prins Carl

Interview: Meik

Prins Carl ist eine Band, die mir bisher nicht über den Weg rannte, was aber auch nichts macht, da es die Band zwar schon länger gibt, erste Veröffentlichungen in Form zweier Alben aber erst in jüngster Zeit erschienen. So veröffentlichten sie vor einiger Zeit ihr zweites Album „No mercy“ auf Bandworm und passen da nun nicht unbedingt ins Programm, da sie eher schmutzigen und rauen Streetpunk mit viel Melodie spielen und nicht den geschliffenen Sound, den man sonst von Bandworm-Bands kennt, auf den Saiten haben. Aber gut, es ist, wie es ist und das ist wahrscheinlich auch gut so... Das 2. Werk gefiel mir gleich sehr gut und der Hintergrund zum Bandnamen machte auch neugierig. Also mußte ein Interview her und die Geschichte zum Namen wurde dann auch niedergeschrieben. Um mich zu bereichern und die Leser zu verwirren, habe ich das ganze zweigeteilt, will heißen, daß Ihr das Interview hier im Splitheft lesen könnt und wer was über die Geschichte zur Prins Carl wissen möchte, muß sich die MF #26 zulegen, die zeitgleich mit dem Split-Zine erschienen ist. So, dann übergebe ich an die Jungs von Prins Carl...

 

Stellt mal die Band und Euch vor. Wie lange gibt es Euch und warum kamt Ihr auf die Idee, eine Band zu gründen?

Johan: Prins Carl erblickte 2001 das erste Mal das Licht der Welt. Björn (Baß) und ein Kerl namens Magnus (Sänger) gründeten die Band, um einen Grund zum Trinken zu haben. Ich, Johan (Gitarre und Gesang) stieß kurze Zeit später zu der Band. Nun brauchten wir noch einen Drummer und ich kannte durch gemeinsames Spielen und aus der Schule einen Typen namens John, der ans Schlagzeug ging und inzwischen bei Perkele die Stöcke schwingt.

Magnus stieg dann auch recht bald aus und ich übernahm das Mikro. Wir hatten auch ziemlich schnell einen kleinen Auftritt und unser Gefühl war, daß es dem Publikum ziemlich gut gefiel. Die ersten Songs, die wir schrieben, waren “1460's” und “They won't let ya”. Auch erinner ich mich noch gut an das Entstehen von “They won't...” Magnus sagte, er hat eine Idee für ein Lied und ich sagte, ich geh erstmal in die Kneipe und er sagte “They won't let ya”. Dann ging er zur Toilette und als er wieder kam, war der Titel fertig.

 

Euer Bandname kommt vom Fährdampfschiff Prins Carl, auf der Johan Nordlund ein Massacker plante und veranstaltete. Er war der letzte Mann, der in Schweden durch die Axt hingerichtet wurde. Warum nahmt Ihr den Namen des Schiffes und nicht den Namen Nordlund, o.ä.? Erzählt uns bitte etwas mehr über die Hintergründe und warum Ihr Euch für den Namen Prins Carl entschieden habt.

Johan: Nordlund wollte Rache an der Menschheit verüben. Sein Leben war geprägt von Kleinkriminalität und Knast und das Drumherum, dafür machte er die Menschheit verantwortlich. Als er mal wieder entlassen wurde, plante er das Massacker auf einem Schiff. Er wollte rauben, was nicht niet- und nagelfest war und jeden töten, der ihn über den Weg lief. Dazu nahm er ein Messer und zwei Feuerwaffen mit an Bord. Sein Gemetzel startete er beim Kapitän. Er stach so hart zu, daß die Klinge brach. Deswegen mußte er fortan die Feuerwaffen nutzen. An Bord brach Panik aus und jeder stolperte über den anderen. In der Nähe der Prins Carl hielt sich zu dem Zeitpunkt  ein weiteres Schiff auf und sah, daß die Prins Carl scheinbar führerlos im Fahrwasser trieb und versuchte, der Prins Carl Signal zu geben. Nordlund versuchte das andere Schiff von der Prins Carl wegzulocken, was aber nicht gelang. So nahm er sich ein Rettungsboot und ergriff die Flucht. Er schaffte es ans Festland, wurde dann aber später an einem Bahnhof von der Polizei gestellt. Ein paar Tage später saß Nordlund also wieder im Knast und wurde in unserer Heimatstadt Västeras hingerichtet. (Wenn Ihr den Text zu “Prins Carl” auf dem Album “No mercy” lest, findet Ihr die komplette Story.). Björn entdeckte die Geschichte in einem Magazin, welches sich mit Verbrechen beschäftigt und hängte den Artikel an seine WC-Wand. Ich denke, daß sowas fasziniert und jeder, der die Toilette besucht, braucht 15 bis 20 Minuten, weil einfach jeder die Geschichte liest.

Unser erster Bandname war Buccaneers, aber wir bekamen mit, daß es schon eine Band mit dem Namen gab und so brauchten wir einen neuen Namen. Es kamen Ideen zu Namen wie Prom Queens, White Trash Bulldogg, oder White Trash. Aber keiner der Namen gefiel uns wirklich und wir einigten uns irgendwann auf Prins Carl.

Wir wollten immer einen Namen, der irgendwie mit unserer Heimatstadt verbunden ist. Er saß hier im Gefängnis und verlor hier sein Leben! Perfekt!

Da Nordlund hier in Schweden ein weit verbreiteter Nachmame ist, wäre das wenig originell.

Mir gefällt Prom Queens und ich frage mich, warum wir uns nicht dafür entschieden. Hm... Aber ich werde wohl mal ein Lied mit dem Titel schreiben, haha.

 

Das Artwork des Albums “No mercy” erzählt die Geschichte auf der Prins Carl. War es Eure Idee, dieses düstere Artwork umzusetzen und warum wolltet Ihr das Thema nutzen?

Johan: Das Artwork stammt von Extremtalent Max Wikdahl. Ted von Noise Of Sweden kennt ihn und fragte, ob er Interesse hat, das Artwork für die Platte zu machen. Wir erzählten ihm die Geschichte von der Prins Carl und zeigten ihm einige Bilder dazu und er fertigte das Cover und zeigte uns dann sein Ergebnis. Das Bild sieht aus wie Nordlund!

 

Euch gibt es schon seit 2001, wenn ich das richtig recherchiert habe. Warum erschien dann Euer Demo erst 2011?

Johan: Wenn Du damit das “New order”-Output meinst, dann ist es das erste Album von uns und kein Demo. Das erschien 2011 auf dem schwedischen Label Noise Of Sweden. Bandworm schrieb dann aus irgendwelchen Gründen, daß es ein Demo sei und nun denkt jeder, daß es ein Demo ist. Wir baten Bandworm, das zu ändern, aber bis heute ist nichts geschehen... Die Aufnahme ist ein richtiges Album mit Booklet und allen drum und dran. Es erschien zum 30. März auch auf Vinyl und kommt mit einem Bonustrack. In Deutschland wird es die Platte über Bandworm geben. Wenn Du “No mercy” magst, dann garantiere ich Dir, daß du auch “New order” magst! Es wurde live in einem Studio eingespielt und wir benötigten 9 Stunden für die Aufnahmen, haha. Unser erstes Demo erschien etwa 2002. Ich reiste nach Griechenland und lebte dort eine Weile und Björn hatte die Idee, alle Songs aufzunehmen, die wir hatten, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Björn und ich nahmen es jeder für sich auf und es waren wohl 8 Songs. Es war eher ein Demo für uns, denn für die Nachwelt. Aber ich fertigte auch ein Cover, wo das Schiff drauf skizziert war. Als ich aus Griechenland zurückkam, starteten wir wieder durch und spielten ein neues Demo ein. Das dann aber ohne Cover. Wir rekrutierten einen zweiten Gitarristen und John verließ die Band. Für ihn kam dann Tomas. Ich denke, daß wir über die Jahre verteilt 4 oder 5 Demos aufnahmen, bevor das “New order”-Promo aufgenommen wurde.

 

War es ein reguläres Demo, oder gab es das Demo als gepreßte CD mit Cover?

Johan: Es waren alles CD-Rs mit Cover. (Da ich “New order”, Dank Fehlinfo, für ein Demo hielt, war eigentlich das gemeint, aber die CD erschien ja als regulär gepreßtes Album. - Meik)

 

“No mercy” ist bei Bandworm veröffentlicht worden. Wie kam der Kontakt zustande? Warum ein deutsches und kein schwedisches Label?

Johan: Aktuell ist es ein Gemeinschaftsprodukt zwischen Bandworm und Noise Of Sweden. NOS brachten unser erstes Album “New order” raus und wir werden sie nicht gehen lassen! Wir spielten auf dem Oi! The Weekend-Festival hier in Schweden zusammen mit Perkele und einigen anderen Bands. Perkele mochten uns und sie stellten den Kontakt zu Bandworm her und der Rest ist Geschichte, haha.

 

Wenn ich die Interviewantworten in anderen Interviews mit Euch lese, oder mir Texte wie “Carnaval in Greece” anschaue, kann man nicht unbedingt sagen, daß Ihr “unpolitische” Ansichten habt. Stimmt Ihr dem zu? Wie seht Ihr Eure politische Sozialisation?

Johan: Wir bezeichnen uns selbst als links. Wir starteten als unpolitische Band, aber nachdem man uns immer wieder mit Rassismus in Verbindung bringen wollte, positionierten wir uns immer weiter links. Björn ist wohl der politischste unter uns und er hat auch den meisten Plan, wenn es um politische Argumentation geht. Ich nutze da nur den gesunden Menschenverstand, haha. Ich meine, wie kann man jemanden hassen, der nicht die gleiche Sprache spricht, nicht so aussieht wie du, oder andere Interessen hat als du?!? Es kommt alles immer wieder auf die Politik und davor habe ich Angst.

 

Wie weit geht Euer politisches Engagement?

Johan: Well, wir sind einfach Arbeiterklasse und gegen Rassismus. Aber politisch aktiv sind wir nicht. Wir machen den Leuten verständlich, daß wir mit Rassismus nichts am Hut haben und auch keine Lust auf diese Leute haben. Ich hoffe, daß ich die Frage so korrekt beantwortet habe.

 

Der Song “Carnaval in Greece” ist ein Lied über einen jungen Punk, der in Griechenland während einer Demonstration von Cops getötet wurde. Könnt Ihr uns mehr über die Hintergründe zum Lied, den Song und das, was Ihr damit sagen wollt, erzählen?

Johan: Es geschah nicht während einer Demonstration, die Demonstration und die Gewalt waren Folgen der Ermordung von Alex. 2 Bullen betraten in Athen ein anarchistisches Gebiet und provozierten. Es gipfelte darin, daß die Polizei Alex in den Bauch schoß. Die Polizei sagte zwar, daß sie in die Luft schoß und der Teenager von einem Querschläger getroffen wurde, doch dem stehen andere Aussagen gegenüber! Die Linke protestierte gegen diese Aktion. Die griechische Regierung schob alles auf die Linke. So vereinten sich staatliche Kräfte und die Rechten, kleideten sich wie Anarchisten, und zerstörten die Stadt. Viele bekamen davon nichts mit, da die Medien die Lüge deckten. Ich bekam das aber unmittelbar mit, da ich dort Freunde habe, die mittendrin waren und das Chaos erlebten. Wie vorhin schon gesagt, ich lebte in Griechenland und habe dort heute noch Freunde. Einige Textzeilen stammen direkt aus den Unterhaltungen, die wir zum Thema hatten. Ich will die Message der Wahrheit rüberbringen.

 

Dann sollten wir auch über Eure anderen Songs reden. Könnt Ihr etwas über Eure anderen Lieder erzählen? Habt Ihr noch mehr Lieder mit politischen oder kritischen Tönen und was wollt Ihr mit Euren Songs sagen?

Johan: Wir schreiben über all die Dinge, die uns beschäftigen. Wir können einfach nicht über Liebe schreiben, da wir dafür einfach keine sensible Ader haben, wenn Du weißt, was wir meinen. Uns kotzt das System und Rassismus an und ich finde es wichtig, über Dinge zu schreiben, die wichtig sind. Wie soll ich über Liebe und eine heile Welt schreiben, wenn Menschen irgendwo auf der Welt grundlos abgeschlachtet werden. In den Nachrichten ist stets die Rede von Elend, Elend und Elend. Und der Rassismus verbreitet sich wie die Pest. Das macht mich verückt! Es ist schwer, nicht politisch zu werden, wenn man Dinge kritisch sieht. Das kommt alles vom Staat und den rechten Arschlöchern!

 

Gibt es dennoch Songs über Spaß und schönere Dinge von Euch zu hören?

Johan: Auch solche Texte haben wir. Dennoch schreiben so viele andere Bands Texte über sowas und dadurch müssen wir das nicht auch noch machen. Wir haben Freunde und Feinde und brauchen keine Liebeslieder. Viel zu viele Bands finden es cool, einfach nur übers Saufen zu singen. Wir müssen uns da nicht auch noch dran versuchen.

 

Woher kommen Eure Songideen?

Johan: Oft kommen die, wenn ich wütend bin, haha. Oder es gibt Tage, da habe ich einige Noten im Kopf und renne durch die Gegend und überlege mir einen Text dazu. Ich befasse mich rund um die Uhr mit Musik. Ich liebe Musik und mache mir sofort eine Platte an, sobald ich von der Arbeit nach Hause komme.

 

Euer Sound klingt eher schmutzig und rau, also eher alte Schule denn smart wie beispielsweise Perkele heutzutage klingen und mir gefällt das sehr gut. Wolltet Ihr so einen rauen Sound, wollt Ihr in Zukunft weiter so klingen, oder soll es auch geschliffener vonstatten gehen?

Johan: Ich denke, das liegt daran, daß wir alles live aufgenommen haben. Wir mögen all diese glattgeschliffenen Bands nicht, die ewig im Studio sind und die Aufnahmen analysieren und an ihrem Sound feilen, bis kaum noch was echtes da ist. Und wir wollen so auch nicht klingen. Wir haben “No mercy” im Proberaum eingespielt und brauchten 11 oder 12 Stunden. Wir starteten mit 3 Liedern und guckten, ob alles paßt. Es klang alles bestens und so nahmen wir das ganze Album auf. Ich denke, daß das nächste Album etwas besser wird, aber der Sound wird wieder so rau sein. Ich sage es nicht gerne, aber ich möchte ein paar neue Mischtechniken ausprobieren. Aber es wird ein tolles Ergebnis werden!

 

Schwedische Bands haben meist eine sehr melodische Kante, so wie Antipati oder Perkele. Warum wähltet Ihr den rauen und schnoddrigen Sound der 80er und 90er? Ich hoffe, ich darf es so nennen?!?

Johan: Ich weiß es selber nicht. Es kam einfach so! Es ist einfach, einen melodischen Song zu machen, aber wir wollten die Balance zwischen Melodie und Melancholie. Viel druckvolle Songs mit Singalongs!

 

Steht Ihr mit anderen schwedischen Bands in Kontakt?

Johan: Wir spielten mit einigen zusammen und haben auch Kontakt zu denen. Saturday Heroes, On The Job, The Dräperz. Wir kennen noch weitere, aber das sind die nennenswerten.

 

Okay, nun ist Zeit für letzte Worte.

Johan: Laßt Euch nicht unterdrücken, denkt für Euch selbst und verurteilt keinen aufgrund seiner Hautfarbe!

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