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Smart Violence

Interview: Meik

Auch immer wieder gern genommen, eine Unterhaltung mit Broschi und seinen gegenwärtigen Bands. Sagt mir auch textlich nicht immer alles zu, so ist Broschi kein Schaumschläger und bewegt sich Jenseits von Parolendrescherei und auch menschlich stimmt die Basis. So war das aktuelle Album also Grund genug, mal wieder bei Broschi anzuklopfen. Aber lest selbst...

 

Das „Moin Moin“ an Euch kommt ja nun aus Leipzig und nicht mehr aus dem Norden, aber sonst ändert sich an meinen nervigen Fragen nüscht... Also Butter bei die Fische. Wer steckt aktuell hinter Smart Violence?

Oi!, Meik! Hinter Smart Violence stecke ich Broschi am Gesang und allen Seiteninstrumenten und XY an den Drums sowie der Schlagzeugschüler von XY, der beim „Hard Hitting Skinhead-Rock“- Demo, ein Lied und bei unserem Album „Herkunft & Identität“ vier Lieder eingespielt hat.

 

War Smart Violence eher als Projekt geplant und entwickelte sich dann zur Band, oder war es immer eine Band?

Smart Violence ist das Resultat aus kompletter Langeweile. Als Angry Bootboys erst mal auf Eis gelegt wurde, nahm ich die Zügel in die Hand, endlich mal wieder ins Studio zu gehen. Ich wusste, mir fällt die Decke auf den Kopf, wenn ich musikalisch nichts mache. Ein Anruf bei Oldschool Records, sofortige Zusage. 8 Wochen später im Studio das Demo einspielen gewesen, so kann‘s gehen! Naja, wo fängt Projekt an? Die meisten sagen zu allem Projekt, was nicht sofort live spielt. Aber für mich sagt das Wort vielmehr aus, dass man etwas ausprobiert. Halt erst mal ein einmaliges Projekt. Bei SV war mir von Anfang an klar, das ist mein neues Kind und wenn das Demo nicht ankommt muss ich es viel besser machen!!! Aber sofort einstellen… nein, das ist was für Projekte. Außerdem habe ich ja nicht alles gemacht. Die geniale Schlagzeugarbeit ist von XY , der hat sich auch reingekniet und die Nummer sehr gut durch gezogen! Natürlich auch sein Schlagzeugschüler! Und die haben sich, glaube ich, auch im Großen und Ganzen verwirklichen können, trotz grober Vorgabe. Ich sehe es eher als Studio-Band, die hoffentlich irgendwann auch mal live spielen darf. Um ehrlich zu sein, juckt es mir unwiderstehlich in den Fingern.

 

Mit Smart Violence  ging es, meines Wissens nach, noch nicht auf die Bühne. Ist da in Zukunft was geplant, oder soll Smart Violence eher die Stubenhocker unter den Skins animieren, immer mal wieder eine Smart Violence-Platte für die Sammlung zu kaufen, um diese dann wochenends mit Kollegen bei ein paar Bier zu genießen?

Es war geplant zu proben im Oktober 2013. Ließ sich aber aus verschiedenen Gründen leider nicht realisieren. Vielleicht was im Sommer? Ich bin auf Musikersuche. Der  Rahmen muss allerdings passen. Ich stelle mich garantiert nicht auf die Bühne mit einer Trümmertruppe bzw. wenn ich mich selber nicht fit fühle. Sprich die Musiker müssen geübt sein, bzw. zu Hause viel tun. Weil SV muss mit wenig bis gar keine Proben auskommen. Da sollte man sein Instrument beherrschen, viel zu Hause 1 zu 1 von der Aufnahme üben und das ohne Probleme auf der Bühne wiedergeben können. Falls sich hier Gitarristen, Schlagzeuger oder Bassisten angesprochen fühlen und Lust haben bei SV auszuhelfen, dürfen die sich gerne melden!!!

 

Der CD-Aufdruck und ein T-Shirt-Motiv animieren mich gerade zu einem Satz, den Ihr bitte vervollständigt...;-) „Zu Saft passt Eure Musik eher weniger, weil...

…wir Bier lieben! Keine Macht dem ewigen Saft! (Ist diese Frage 80er-Like oder wat? :-D )

 

Ich möchte mal sagen, dass Euer gerade erschienenes Album, „Herkunft & Identität“, nahtlos an das Demo anschließt und Ihr damit wieder ein tolles Werk abgeliefert habt! Seid Ihr zufrieden damit, oder würdet Ihr im Nachhinein noch etwas anders machen? Was und warum?

Also zufrieden bin ich, ehrlich gesagt, nicht. Es ist gut geworden, aber im Nachhinein will man natürlich alles noch besser machen. Ich bin ziemlich perfektionistisch und ich will den Käufern der CD ihre Unterstützung mit bestmöglicher Musik honorieren. Der Käufer ist nun mal genau der Mensch, der es uns ermöglicht weiterhin teure Studioaufnahmen zu machen. Warum sollte ich da keinen Perfektionismus an den Tag legen und mich selber zufrieden geben. Was ich anders machen würde? Alles! Aber gerade weil „Herkunft & Identität“ mich nicht zufrieden stellt, ist es ein Grund weiter zu machen.

 

Auch das Coverartwork scheint eine Fortsetzung vom Demo zu sein. War das bewusst, oder ist das unbewusst so umgesetzt worden?

Bis auf die Blutspritzer und der grobe Stil der Zeichnung (Skinhead mit einem Crombie-Mantel bekleidet) finde ich ehrlich gesagt nicht, dass das grafische an das Demo erinnert.  Aber klar, da war derselbe Zeichner und Grafiker am Werk. Aber nun ist die Frage ja beantwortet, dass es unbewusst war. Aber Wiedererkennungswert ist immer eine gute Sache.

 

Wo wir schon dabei sind. Die Cover und Eure Shirts sind immer eher an traditionelle Skinheadmotive angelehnt und der Stil gefällt mir sehr gut! Hat das bestimmte Gründe und warum das?

Der Grund dürfte sein, dass wir eine traditionelle Skinhead-Band sind. Auch wenn wir sozialkritische und auch völkisch-sozialistische Lieder haben, wird auch weiterhin mindestens die Hälfte der Lieder über unsere heiß-geliebte Subkultur sein. Skinhead ist nun mal unser Weg zu leben und wir sind eine Skinhead-Band… eben eine, die auch Teilweise politische Texte thematisiert… aber eben keine Polit-Kombo, die aus politischen Gründen Musik macht!  Warum sollten unsere Shirts andere Grafiken tragen? Ist es nicht auch die Bildsprache, die den Hörer neben der Musik inspiriert und anspricht? Wir sehen uns als Skinhead-Band im Stil der 80er und geben uns neben der Musik, die in der Klangqualität der heutigen Zeit, aber spielerisch eher auf dem Niveau der besseren Bands der damaligen Zeit ist, auch optisch diesen Anspruch hin.

 

In „Wir sind die Straße“ wird das Thema Sharp mal wieder von einer Band aufgegriffen und ich weiß nicht, wie viel Pro- und Contra-Songs es dazu gibt und jeder erhebt für sich den Anspruch, dass gerade Der oder Der ein richtiger Skinhead ist und sein Gegenüber nicht und wie es Scheiß-Menschen gibt, so gibt es eben auch Scheiß-Skinheads, was ich nun nicht an einer Einstellung festmachen würde. Warum also noch ein Anti-Sharpsong?

Um ehrlich zu sein, gibt es wenig Themen, die nicht schon besungen wurden im Oi!/RAC. Das Rad als Skinhead-Kapelle neu zu erfinden, ist sicher nicht möglich!? Aber ich denke, dass Musik immer noch ein Stück Kunst ist und Spaß machen muss. SV ist sicher keine Musik der „dritten Art“, aber ein bisschen Innovation  dürfen wir uns glaube ich zugestehen!? Der Text ist einfach mal anders als die meisten Anti-SHARP-Lieder, weil es nicht in plumpe Hassorgien ausartet, sondern Argumente aufzeigt. Du sprichst sicher auf von mir vor Jahren getätigte Aussagen, mit den Guten und Scheiß-Skinheads an. Das sehe ich ähnlich. Aber warum sollte ich auf 0,1 % aller SHARP-Glatzen mit Klötzen in der Hose Rücksicht nehmen? Ich nenne mich auch nicht selber Nazi-Skinhead, obwohl ich den deutschen Sozialismus als meine persönliche politische Meinung definiert habe. Sondern eben nur Skinhead, ohne Wenn und Aber. Boots, Hosenträger, Jeans, eine großartiges Gespür für gute Musik (Oi! / RAC / SKA), mit offenen Augen durch's Leben gehen, eine eigene Meinung haben und diese mit Eiern im Schritt zu vertreten… kurzum ein Weg zu leben, das macht es doch aus. Aber wer sich einen mit Dogmen beladenen Weg anschließt, sich mit einem Aufnäher entschuldigt und dann nachher noch devot zitternd vor einen Bande junger Immigranten steht und diese über seinen „Antirassismus“ voll stottert, verdient doch nichts anders als ein ehrliches Lied. Ganz nebenbei, wenn ich kein „Nazi“ oder „Rassist“ bin, warum sollte ich dann nicht mit Recht irgendwelchen Arschlöchern meine DM’s im Zahnputzverfahren vorstellen??? Die Beleidigen mich dann doch erst Recht in der Situation! Aber als Tipp (oder besser Schleichwerbung?) hört euch das Lied „Gekreuzigt“ an! Jeder von uns wusste, dass wir als Skinheads von der Gesellschaft als „Faschos“ angesehen werden. Warum sollte man dann vor der „ach-so-verhassten“ Gesellschaft rumheulen?

 

Textlich ist es wieder ein Bastard aus szeneverbundenen und sozialkritischen Liedern und mit „Erwache“ kommt auch der Lokalpatriotismus nicht zu kurz. Für Außenstehende steht der Pott meist für Bier am Büdchen, Kohle & Stahl, Industrie, aber auch Industrieruinen, also eher Romantik denn Realität. Wenn ich Euch jetzt also bitte, etwas zum Hintergrund des Textes von „Erwache“ zu sagen, dann dürft Ihr ruhig weiter ausholen.

Realität ist, dass der Pott wohl Deutschlands größte Stadt ist. Wie ich schon in mehreren Interviews erläuterte, gibt es zu den meisten Städten keine Grünstreifen sondern einfach nur Ortseingangsschilder zwischen den Häuser-Blocks. Und eben das spiegelt sich auch in der Gesellschaft wieder. Noch dazu kommt die hohe Arbeitslosigkeit. Das Ruhrgebiet war mal das Herz von Deutschland. Nicht umsonst sprach man früher vom Industriellen-Herzen des deutschen Reichs. Über 300 Zechen in den letzten Jahrhunderten förderten die qualitativ beste Kohle die es auf Erden gab. Noch dazu wurden der roten Erde (viele Gesteinsschichten tragen rotes Gestein) Eisenerze abgerungen. Die Rohstoffe wurden dann in Hütten zu Stahl, und die Kohlen zu Koks legiert bzw. veredelt. Und genau diese Industrie haben das Ruhrgebiet groß gemacht und die Städte anschwellen lassen auf die heutige Dimension. Leider haben die Stadtväter und Regierenden in Düsseldorf beschlossen, uns von ausländischen Rohstoffen abhängig zu machen. Grundlage waren die geringeren Rohstoffpreise aus Übersee. Aber irgendwie steigen die Preise verdächtig für Export-Kohlen. Die Zechen sind ja bis auf einige wenige geschlossen. Und selbst die werden bis 2020 dicht gemacht, wobei ich bemerken möchte dass Jahre vorher schon mit der Kohlenförderung aufgehört wird. Aber den „Deckel“ auf den Schacht machen geht nicht so einfach. Die Schächte müssen verfüllt und Pumpenanlagen installiert werden, sonst säuft der Pott in einem riesigen See ab. Die Schließung eines Bergwerks dauert mehrere Jahre. Die Erschließung 10 bis 15 Jahre, bis die ersten Kohlen vom Band laufen! Ich weiß das nur zu gut, da ich selber Hauer unter Tage war. Der Beruf meiner Vorfahren, ich durfte noch den alten Mann, die Flöze und den Geruch von fossilen Gestein riechen. Das macht mich natürlich schon was stolz. Aber zurück zum Thema: Der Niedergang der Großindustrie, der schon in den 1960ern begann führte dazu, dass die Arbeitslosenrate von Jahrzehnt zu Jahrzehnt stieg. Gerade die letzten 20 Jahre führten zu dem desolaten Zustand, dass wir hier im Pott teilweise höre Arbeitslosenquoten als im Osten haben. Gelsenkirchen lag zeitweise bei über  15% der Gesamtbevölkerung. Dieser Zustand ist nicht tragbar. Unter unseren Füßen liegen noch Abbaureserven für mehrere Jahrzehnte. Manche gehen sogar von 200 Jahren aus. Warum fördern wir die Kohlen nicht selber? Selbst die Subventionierung dürfte dadurch gerechtfertigt sein, wenn wir die Arbeitslosenquote dadurch senken können. Die Rohstoffpreise im Export werden bald sowieso unseren nichts entgegensetzen können. Mehr Souveränität, geringere Arbeitslosenzahlen und glücklichere Menschen, das kann uns die Wiederaufnahme der Kohleförderung bringen. Aber die schwarze Fahne weht auf Halbmast am Förderturm (wird gehisst bei Bergwerksschließung).  Ruhrpott Erwache!

 

Warum hat der Pott heute noch Charme und was macht ihn auch heute noch lebenswert für Euch?

Was macht den Pott für uns noch lebenswert? Ich denke mal das Wort Heimat wird es wohl auf den Punkt bringen. Wenn man nicht gerade auf Islamismus, Döner und mit Muscheltauchern ‘ne Shisha rauchen steht, kann man sich sehr unwohl fühlen. Aber ich denke mal, wenn man es nicht anders kennt, kann man das schon ertragen. Die Arbeitslage ist sicher auch nicht gerade der Wohlfühlfaktor.  Aber Charme hat der Pott schon noch, es sei denn, man sucht die 90er Jahre auf den Straßen. Skinheads an jeder Ecke, die Kneipen unter der Woche  voller als heutzutage am Wochenende. Diese Zeiten sind einfach leider vorbei. Richtige Skinheads gibt’s hier leider nicht mehr viele. Punks in Skinhead-Outfit vom EMP-Katalog schon, auch ein paar Asis und Kraken ohne Zähne im Maul…, aber das war es schon hier im westlichen Pott. Die guten Tage sind leider vorbei. Und bei den Kneipen sieht es fast noch bitterer aus. Das war schon vorher schlecht mit der Durchschnitts-Frequentierung, aber das Raucherschutzgesetz hat den Pinten wohl den Todesstoß gegeben.

 

Der Titelsong ist eine schöne Mischung aus Patriotismus und Stolz auf die Arbeiterklasse, ohne in Parolen oder Textbausteine anderer Bands zu verfallen, was mir gut gefällt und auch das Anreißen der Nationalhymne zum Beginn kommt nicht plump oder überheblich daher. Erzählt bitte mal mehr über die Hintergründe zum Song?

Das Titelstück „Herkunft & Identität“ handelt in der ersten Strophe über die Herkunft aus der Arbeiterklasse, in der zweiten über die Wurzeln im Skinhead-Kult und in der dritten die nationale Identität als Deutscher. Zentrale Aussage ist halt die eigene Identität! Mehr gibt es zu dem Stück nicht zu sagen.

 

Mit „I don't need“ covert Ihr einen Song der Angry Boot Boys. Warum ausgerechnet diesen Song und warum habt Ihr Euch für ein Lied der Angry Boot Boys entschieden? Ich gehe davon aus, dass der Song eine tiefere Bedeutung für Euch hat, erzählt also auch dazu mal was.

Das Lied ist einfach ein Knaller und passt zu Smart Violence als Skinhead RAC-Band sicher noch besser. Klar ist das Lied nicht unbedingt ein wirklich politisches Stück, sondern eine Provokation. Aber man darf auch mal ruhig sagen, was man nicht brauch und dass man gerne Arschloch ist. Und ja, zentrale Message ist eben auch, dass wir gerne Bier trinken. Was andere da reininterpretieren lass ich mal dahingestellt, es sind nämlich deren eigene schmutzige Gedanken.

 

Bei „Mit Schild und Schwert“ sprecht Ihr Euch u.a. auch gegen den Spinner Breivik und den Terror des NSU aus, was ich persönlich gut finde! Doch sehe ich jetzt schon wieder etliche Leute, die das Lied verteufeln, wie einst „Mordbrenner“ von Störkraft, welches übrigens auch ein toller Song ist. Aber auch allgemein ist der Song eher pazifistischer Natur, ohne den Begriff bös zu meinen. Erzählt den Lesern mal mehr über den Song und auch, warum Gewalt kein Mittel ist, etwas zu bewegen?

Lass die uns doch verteufeln. Wir sind Realisten und wollen Musik machen, die in erster Linie unterhält und auch vielleicht den einen oder anderen Denkanstoß verpasst. Wer irgendwas Gutes in terroristischen Bestrebungen sieht, sollte sich wirklich fragen, ob er nicht alle Latten am Zaun hat!? Bei solchen Unterm******n sollten sich nicht nur die Skinheads mit patriotischer Gesinnung fragen, ob nicht doch bezahlte Kräfte am Werk sind. Was kann es schlechteres geben, als wenn gute Dinge ins Gegenteil verkehrt werden, durch Intervention der Opposition. Ich bin wirklich für gewaltfreie Politik. Aber ganz ohne Gewalt kann man anscheinend als vaterländisch-gesinnter Mensch in diesen Land keine Politik machen. Die Gewalt der anderen erzeugt eben auch ein Echo!!! Aber Verzweiflungstaten (wenn es die denn überhaupt waren) helfen einer guten Sache sicher nicht auf die Beine. Terrorismus sowieso nicht. Schon weltanschaulich sollte dies generell ausgeschlossen werden. Die sogenannte Revolution in der Ukraine zeigt uns doch ganz gut, dass gewisse Geheimdienste den kalten Krieg immer noch nicht beendet haben. Gelder fließen an bestimmte Kreise, um diese dann „putschfähig“ zu machen. Siehe zum Bespiel den arabischen Frühling. Komplett finanziert durch westliche Waffenlieferungen an die Rebellengruppen unterschiedlicher Krisenherde im Nahen Osten. Doch irgendwo seltsam, wenn man Islamisten Waffen in die Hand gibt, wenn man sie eigentlich am bekämpfen ist, oder? Da werden Systeme abgeschaltet, die den internationalen Kapitalismus bremsen bzw. stören könnten. Mit welchen Mitteln ist egal. False-Flag-Aktionen gab es schon immer und wird es auch immer geben. Ich werfe das Wort Gladio in den Raum. Google ist dein Freund und Helfer.

 

Mit „R.I.P.“ richtet Ihr Euch gegen das Springerblatt, ähm die Lügen- und Hetzer Plattform oire Szene. Über die letzten Jahre wechselte der Inhalt ja fast von Streetpunk- und Oi! -Bands hin zu wirklich rechtslastigen Dingen, wenn auch immer noch über sog. Grauzonenbands berichtet wird. Inzwischen wird dort ja fast nur noch über rechte Rockerverstrickungen und den NSU und den Spitzelanteil dort berichtet und nur noch selten über Bands, ausgenommen von Konzertterminen und vereinzelte Sachen. Seid Ihr der Ansicht, dass der Dreck, den os streut, heute immer noch so ernst genommen wird, dass man darüber ein Lied machen muss?

Hört sich fabelhafthaft an. Vielleicht hören die ja auf und wir haben einen Grund mit einem leisen R.I.P. auf den Lippen zu trauern. Jetzt mal im Ernst, wer hat Oire Szene je wirklich für voll genommen? Von Anfang an waren die doch mehr Parodie als alles andere. Leider haben die auch einige Leute arbeitslos gemacht und bei gewissen Leuten derart viele Lügen gestreut, dass ganze Existenzen zerbrochen sind. (Niemand aus unserem engerem Umfeld war betroffen!!!) Aber zu  aktiven Zeiten von ABB wurden wir als ehrliche Oi!-Band als Rechtsrock Band diskreditiert (nicht, dass es uns stören würde, nur spielen wir keinen Rock sondern Oi!) und wurden von den Hurensöhnen so richtig mit Scheiße beworfen. Ich habe das Lied 2009 geschrieben. Und irgendwie wollte ich mich auf meine Art für das „Pushen“ und bewerben  von damals bedanken. Es musste einfach raus. Nehmt es oder lasst es. Aber bitte klickt nicht mehr auf diesen Blog. Die kriegen pro Klick Geld und Ihr unterstützt irgendeinen arbeitsfaulen Berufsstudenten.

 

Mutmaßungen über die Identität der anonymen Internethetzer gibt es ja schon seit Jahren und andersrum frage ich mich, warum es noch kein Outing gab bzw. warum die der Schmierereien Verdächtigen nicht einfach mal zur Rede gestellt wurden. Was sagt Ihr dazu?

Um ehrlich zu sein, blicke ich da nicht durch. Soweit ich weiß, ist es nicht ganz klar, wer oder was hinter Oire Szene steckt. Mutmaßungen meines Wissens nach stecken Kräfte aus Berliner oder aus der Stuttgarter / Freiburger RASH und linksautonomen Szene hinter diesem Blog. Wie will man mit Mutmaßungen jemanden zur Rede stellen? Ich sage mal so, wenn man schon das „Gespräch“ sucht, sollte man sich sicher sein, wen man da anspricht. Ich bin ein fairer Mensch und würde niemals aufgrund von Mutmaßungen verurteilen. So welche Praktiken überlasse ich lieber plutokratischen und linken Vertretern einer Weltanschauung. Denn Gespräche können teuer sein und die Rechnung ist oft hoch.

 

Euer Label ist schon länger Oldschool Records und da gehe ich davon aus, dass Ihr zufrieden seid. Wie kamt Ihr damals zu OSR und warum kam kein anderes Label in Frage?

Ich bzw. wir (gemeint ist ABB) waren immer sehr zufrieden mit der Arbeit von Oldschool Records. Wegen Samplerbeiträgen, EPs haben wir auch schon mit anderen Labels Erfahrungen gesammelt. Und ich kann nur sagen, dass andre Labels meisten einen Minimum-Standard an Kommunikation an den Tag legen. Bei Oldschool ist die Kommunikation, sowie die Umsetzung bisher unschlagbar und unkompliziert gewesen. Und Professionalität, harte Arbeit und gute Kameradschaft zahlt sich eben aus. Der Betreiber ist ebenfalls traditioneller Skinhead und politisch auch auf Linie. Es besteht ein freundschaftlich-kameradschaftlicher Austausch über die Produktion hinaus. Wenn das kein Grund ist, weiterhin zusammen zu arbeiten, dann weiß ich auch nicht… Und ja, nicht jede Band die bei OSR verlegt wurde, entspricht unserem Geschmack. Aber die zwei anderen reinen Skinhead-Labels die keinen Politik-Rock vertrieben oder verlegt haben, zeigen, dass es als reines Anti-PC Skinhead-Label heute kaum noch geht.

 

Wie kam es zu den Beiträgen auf dem Tribute-Sampler für Bandeira De Combate? Wurdet Ihr angesprochen, oder habt Ihr gesagt, Ihr wollt da drauf? Wie verlief die Arbeit dazu, zumal Ihr ja mit Hammerstroke auch was gemeinsam gemacht habt? Was für eine Rolle spielt Bandeira De Combate für Euch?

Das Label kam auf uns zu. Mittelsmann war damals ein entfernter Bekannter, zu dem heute kein Kontakt mehr besteht. Das Label Acabuz Records fragte mehrfach an. Da ich unter anderen mit Fadel, seines Zeichens Bassist von BDC desöfteren schreibe, willigte ich schlussendlich ein. Davor musste ich noch spontan einen Schlagzeuger finden. Also fragte ich einen Bekannten, ob er mit seinen Drummer Bock hat, was zusammen zu machen. Ziemlich schnell kam eine Zusage. Wir wählten die Stücke „Vida Careca“ und „Tenacity“ von der BDC/KBK-Projekt-CD. „Tenacity“ wurde ja von Dieter und dem Sänger von BDC zusammen vorgetragen. Ich übernahm den Part von Dieter und der Sänger von Hammerstroke den vom BDC Frontmann. Hammerstroke gibt es mittlerweile unter anderem Namen! BDC hat für mich eine große Bedeutung. Es war die erste brasilianische Band, die ich hörte. Das war 1999, als ich Skinhead geworden bin. Ich bekam einen Sampler auf Tape überspielt. Mir gefiel das Lied „Vida Careca“ damals auf Anhieb. Mir hat es Spaß gemacht, die Songs aufzunehmen und neben Top-Bands wie Bull Boys oder Malnatt, sowie unsere französischen Kameraden Lemovice zu sein! Alles im Allen wirklich eine klasse Sache!!!

 

Die Onkelz reformieren sich wieder für 2 Konzerte und beide sind komplett ausverkauft. Was sagt Ihr denn zum Thema Onkelz-Re-Union und das Thema Deutschrock allgemein?

Was soll man von den Thema Onkelz halten? Meine Band waren sie noch nie. Die ersten drei Platten sind gut, hatten aber bei mir nie den Kultstatus wie bei anderen Skinheads. Ich bin ja eher Fan vom britischen Oi!, französischer 80er-Jahre-Skinheadmusik, spanischem Oi!-Core und Exotenzeug aus Südamerika und Japan. Ich kann nicht nur die Skins nicht verstehen, die zu den Konzerten hingehen, sondern generell alle Fans der Onkelz. Eine größere Verarsche gab es noch nie in der Rock-Geschichte. Ist klar und offensichtlich, dass die Taschen leer bei Weidner und Co sind. Aber ich denke, dass mehr unehrliche Bands, die großen Erfolge feiern, als die Bands, die ehrlich sind. Patentrezept dabei ist, dass ehrliche Bands ehrliche Texte haben und anecken und in Interviews auch unangenehme Antworten abgeben. Was bei Bands, die auf Allerwelts-Texte, lyrisch gut verpackte nichtssagende Lieder und die breite Masse setzen, nicht vorkommen kann. Zum Thema Deutschrock kann ich nur sagen, dass man leider nicht drumrum kommt, auch Freunde zu haben, die sich diesen Scheiß reinziehen und in dieser Szene mitwirken. Meins ist es nicht. Ich stehe auf Gegenkultur, Ehrlichkeit, Untergrund und 80er Nostalgie. Nicht die Masse macht es, sondern Klasse! Skinhead por siempre!

 

So, nun könnt Ihr noch Dinge loswerden, die Ihr schon immer loswerden wolltet.

Danke für das Interview. Das waren wirklich viele gute Fragen. Das Beantworten hat wirklich Spaß gemacht. Da Zeitdruck geherrscht hat, sind die Antworten diesmal etwas komprimierter ausgefallen.

Ein großer Dank an alle Leute, die unser Album „Herkunft & Identität“ gekauft haben. Weil der Bauernpunk sich beschwert hat und alles auch zusammenhanglos sein kann, möchte ich hier einfach mal das Wort Abtrimo eben zusammenhanglos rein streuen! Ein Mann ein Wort! Vielen Dank für das Interview, Meik und den Platz in der MF. Ist uns immer eine große Ehre!

Cheers and Oi!

Broschi für Smart Violence

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